Sonntag, 12. Januar 2020

Glanz im Elend

Dass die Heroen aus Golm schon per se eine Illumination darstellen, welche jedes Spiel nur durch ihre bloße Erscheinung zu einem aphrodisierenden Erlebnis aller Beteiligten werden lässt und jungfräuliche Betrachterinnen zu abrupter Niederkunft animiert, hat sich einem Evangelium gleich schon im gesamten Land Brandenburg verbreitet. Dass es dem USV Potsdam II nun aber schon gelingt, Spielen ohne aktive Ballbehandlung Glanz im Elend der Volleyballkunst zu verleihen, ist eine neue Dimension - doch dazu später.
Spremberg schickte zunächst seinen Perspektivkader gegen den amtierenden Tabellenführer aufs Feld, wobei die Bezeichnung "Perspektive" ein Euphemismus für "gerade noch zweistellig" ist. Die Jugend ins kalte Wasser zu werfen kann ja manchmal sehr lehrreich sein - aber sie gleich im Nordpolarmeer versenken? Die Spremberger erkannten, dass es ihnen perspektivisch wenig half, ihren Nachwuchs an Bord der Kursk zu schicken, respektive sie als Kanonenfutter herhalten zu lassen, und reagierten. Das Spiel wurde gleich spannender, doch am Ende setzte sich die Routine der alten Rammler durch, die mit einem gezielt und kalkuliert knappen 30:28 dem Gegner gleich noch die Kauleiste für den dritten Satz auf ein Minimum an Zahnmaterial reduzierten.
Da für diesen Spieltag nur ein Schiedsrichter angesetzt war, durfte die spielfreie Mannschaft den Kollegen am zweiten Pfosten stellen, und wer könnte auf Seiten des USV prädestinierter für diesen Job sein, als der erfahrene Bundesligaroutinier Robert "Vincent" Ließ, der - in edelster Schiedsrichterkluft - dem nun anstehenden Duell zweier potentieller Absteiger (so wurde es zumindest vom sachkundigen Hallensprecher angekündigt) den Glanz des ganz großen Sports verlieh - eine Erfahrung, die seine Vita zweifelsohne aufwerten wird.
Das Spiel gegen den Kindergarten des SC Potsdam II gestaltete sich ungleich schwieriger, zumal sie mit konstant starken Aufschlägen zu überzeugen wussten und bei den unter den physiologischen Nachwirkungen der kulinarischen Feiertagsdekadenz leidenden Schwergewichten des USV Potsdam II noch leichte konditionelle Defizite über die Taille schwappten. Dass man nach einer souveränen 2:0 Satzführung das schon geöffnete Siegerbier erst mal im Kasten stehen lassen musste, animierte die Routiniers aus Golm im vierten Satz noch eine Schippe drauf zu packen, um den guten Gerstensaft nicht schal werden zu lassen. Wenn es um existenzielle Belange geht, kennt der USV Potsdam II eben kein Pardon. Mit 25:16 wurden dem Gegner die Grenzen deutlich aufgezeigt. Den Heroen aus Golm gelingt damit ein glänzender Auftakt ins neue Jahr und kommt seinem Ziel - "La Quinta" - einen wichtigen Schritt näher.

"Wir ziehen Grenzen"

Wenn man geografisch nur einen Molotowcocktailwurf vom fanatisch christlichen Abendland - allgemein auch als Sachsen bekannt - entfernt ist wie Elsterwerda, darf man dann überhaupt von einem "Mekka" des südbrandenburgischen Volleyballs sprechen, oder marschiert dann Lutz B. persönlich ein, zumal der Grenzschutz (siehe Foto) auch nicht "flächendeckend" ist?
Das Spiel gegen unsere Erste war wie Hämorrhoiden - unangenehm und irgendwie für'n Arsch. Die Frage war nicht, ob es ein 3:0 wird, sondern wie lange es dauern würde. Der Grat zwischen "empirisch-argumentativ gestützter und situativ-analytischer Ehrlichkeit" und "Dekadenz", die einem der weniger gebildete Rezipient hier möglicherweise unterstellt, ist in etwa so schmal wie Tom. Die größte Herausforderung in diesem Spiel bestand darin, die Pässe von Jan, welche die Flugkurve einer Boing 737 max hatten - sie fielen einfach zu früh - noch zu verwerten. Respekt für Jan D., der mit der Routine einer Puffmutter, auch die unattraktivsten dieser Schwalben unserer Ersten anzudrehen vermochte. Letztlich verpassten wir die Zielvorgabe (unter einer Stunde bleiben) nur knapp um 17 Minuten.
Im zweiten Spiel galt es dann, den Fauxpas vom ersten Spieltag auszubügeln (damit sei dem fehlenden Spielbericht auch Genüge getan) und uns die Tabellenführung zurück zu holen. Die Taktikfüchse des USV Potsdam II beschlossen, den Annahmegott und Abwehrhengst Tom, die potenzielle Spielunfähigkeit in Person, zum Libero zu befördern. Der Gegner war ob dieses Felsens in der Brandung so überrascht, dass er den ersten Satz total verweigerte (25:12). Im zweiten Satz schien sich Elsterwerda daran zu erinnern, wie demütigend die Spielberichte des MfMP ausfallen können, wenn man hier von den rotbefellten Vertretern der Canidae aus Potsdam in unter einer Stunde gerissen wird. Mit dem Satzausgleich und einer komfortablen 21:18 Führung ließen wir die Elsterwerdaer Weihnachtsgans so richtig fett werden, bevor wir sie uns auf den Hackklotz packten und ein präzises 26:24 auf sie niedersausen ließen - gebrochen. Das anschließende Rupfen und Ausnehmen endete mit einem demütigenden 25:11.
Das Werbeplakat (siehe Foto), dessen Sinn mir auch nach dem Studium einschlägiger Philosophen wir Hegel, Nietzsche oder Bohlen verborgen blieb, behielt aus unserer Sicht zumindest Recht: "Wir ziehen Grenzen!" - nur nicht im Bereich des guten Geschmacks.
Dass die Tabellenführung am Ende deutlicher ausfiel als ursprünglich eingeplant, lag an unserer Ersten, die sich als souveräner Tabellenletzter über den Kadaver Elsterwerdas hermachte, als hätte sie noch nie in der Brandenburgliga ein Spiel gewonnen - achso, hatten sie ja auch nicht. Spieler des Spieltages bei Elsterwerda war zweifellos René M. - ohne vernünftiges Zuspiel ist halt nicht mal ein Blumentopf zu gewinnen - es sei denn du hast "Puffmutter" Jan, der macht auch aus Schei... leckere Bonbons.

PS: Tom trotzte alles Skeptikern und lieferte eine fehlerlose Partie als Libero ab.

Ein "Hoch" auf Olaf

Wenn du im Tiebreak nach einem 3:7 Rückstand den Gegner noch mit 15:12 f*** ormidable an die Wand spielst, klingt das nach einem gelungenen Abschluss - es sei denn, man ist der USV Potsdam II, dann gilt ein gewonnener Tiebreak als "Schadensbegrenzung". Wäre nach dem Spieltag ein Journalist gekommen und hätte gefragt, ob wir vielleicht ein "Mentalitätsproblem" haben – dem hätten wir die Ohren abgerissen.
Alles begann wie befürchtet: unter dem Eindruck der letzten Woche wurde Brandenburg von uns so gar nicht ernst genommen. Dass die Blau-Weißen die obligatorische Opferrolle nicht einzunehmen gedachten, lag auch daran, dass wir ihnen den Rollentausch förmlich aufdrängten. Wir wollten damit das spröde Liebesspiel der Brandenburger ein wenig beleben, denn nichts ist tödlicher für eine Beziehung als das graue, alltägliche „3:0 auf die Fresse bekommen“. Glück für Brandenburg, dass Tom, der letzte Woche noch die sadistische Domina gegeben hat, diesen Samstag schon für das Artemis gebucht war. Langes Vorspiel, kurzer Sinn: wir fanden uns unverhofft (nicht zu verwechseln mit unverdient) im Tiebreak wieder, den wir in unserer generösen Laune auch noch an die Gäste gaben – „aber wer, wenn nicht wir, kann sich das erlauben“ (Zitat letzter Spielbericht).
Wäre das Spiel gegen Schönow auf einer Staffelei entstanden, hätte es expressionistische, mehr noch surrealistische Züge gehabt – Romantik und warme Farben waren bei uns im Black Friday schon vergriffen. Während wir im ersten Satz noch unsere Farbpalette fein säuberlich sortierten, klatschte Schönow schon mal völlig lieblos die ersten Pinselstriche auf unsere jungfräuliche Leinwand. Dieses dominant romantische Graubraun entsprach aber keinesfalls unserem ästhetischen Empfinden, so dass wir mit einem knalligen Rot konterten – der post-impressionistische Einschlag a la Vincent van Gogh betonte den surrealen Charakter eindrucksvoll. Während wir noch über eine gelbrote Nuance sinnierten und unser Werk bestaunten, schmierten diese Dilettanten aus Schönow schon wieder an unserem Kunstwerk herum – als wenn hier jede x-beliebige, dahergelaufene Mannschaft in Golm gewinnen könnte. Der Tiebreak, wie schon anfangs beschrieben, wurde dann zum Charaktertest, den das Schwarze Ballett, trotz eines mehr als gebrauchten Tages, überragend bestand.
Olaf, und das bleibt hervorzuheben, war diesmal pünktlich. Dass wir mit unseren Freunden aus Brandenburg den Abend beim Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt ausklingen und den sympathischsten Schneemann aller Zeiten mehrfach „Hoch“ leben ließen, war ein deutliches Indiz für einen völlig surrealen Spieltag.

Montag, 25. November 2019

"Denkt an was Asexuelles!"

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Blau-Weißen grundsätzlich die Bierpreise erhöhen, wenn das Schwarze Ballett zum Punktspiel anreist - da kostet das usv'sche Grundnahrungsmittel plötzlich so viel wie zwei Stunden im Artemis ... für die ganze Mannschaft. Diese Verletzung der Menschenrechtskonvention schrie quasi nach deeskalierender Selbstjustiz, aber dazu später mehr.
Unser erster Gegner war Schönow, dessen bedingt analperipäre Lage zu einem Verbleib in der Liga qulifiziert. Dank unserer erotischen Ader wurde der erste Satz zum gefühlvollen Vorspiel, in dem unsere zärtlichen Angriffe die gegnerische Feldabwehr stimulierten - ab und an packte der USV auch etwas kräftiger mit einem Aufschlag oder Block zu. Der zweite Satz entwickelte sich zu einem grandiosen Akt euphorischer Ekstase, in dem vor allem Gary nicht mehr zu bändigen war und den Gegner nach allen Regeln des Liebesspiels penetrierte. Schon schien es, als wollte der USV erneut seinen Samen unter die Menschheit bringen, als der "schullus interuptus" uns mahnte, nicht zu früh fertig zu werden und uns zurief: "Denkt an was Asexuelles!". Mit nur noch halbharten Aufschlägen und Angriffen setzten wir das Spiel fort, um Schönow auch noch den Höhepunkt, den Gewinn eines Satzes - zu ermöglichen, bevor es im vierten Satz wieder richtig rauf und runter, ging und die Diskussion um "rein" und "raus" uns zum Höhepunkt antrieb. Schön war's.
Brandenburg dann als die Zigarette danach zu bezeichnen, ist vielleicht etwas dekadent - aber wer, wenn nicht wir, kann sich das erlauben. Der Brandenburger Kindergarten wurde dann von Tom quasi im Alleingang zerlegt - und Nowi weiß, was es bedeutet, von Tom unter der Dusche... traumhaft! Als Brandenburg nach dem zweiten Satz auch noch Guido ins Spiel brachte - für alle Unwissenden, der "Trabant" unter den Sportwagen (für's Rennen unbrauchbar, aber Kultstatus) war das ein deutliches Zeichen der Selbstaufgabe. Am Ende verloren die Gastgeber - aufgrund der Bierpreise auch völlig zurecht!
Aber schon am nächsten Samstag, wenn uns die Brandenburger auf dem Weihnachtsmarkt zum Glühwein einladen, ist das wieder vergessen.

Dienstag, 19. November 2019

Der (Fehde)Handschuh

Im Angesicht der Heroen erstarrten
wie war es auch anders zu erwarten,
der König Klaus,
und um ihn all seine Adjutanten,
gen Himmel schauten und bangten,
"Hoffentlich komm' wir hier lebend raus".


Und wie der Schiri winkt mit dem Arm,
beim Pfiffe, da ergießt sich ohne Erbarm
die Angriffswucht dergleichen von Gott,
und führt die Cottbuser gerad' zum Schafott,
in deren Gesichtern das blanke Grau'n,
wie im Gemälde von Munch zu schau'n,
ein Aufschrei voller Entsetzen,
die Annahme lag schon in Fetzen,
und nach schillerndem Friedrich klang es wohl so:
"Noch 15 Minuten bis Buffalo".

Und der Schiri winkt wieder,
doch auch im nächsten Satz,
fehlt's Cottbus an Allem,
und Klaus, schon voll Gnatz,
fängt an die Bälle in' Block zu knallen.

Ein' letzten Satz noch der Mann auf den Thron,
eröffnet, doch Cottbus, inzwischen nur Dekoration,
auf welche stürzt sich das blutrünst'ge Tier,
der USV II, mit all seiner Gier,
und vernichtet die Lausitzer mit Maus und Mann,
als Napoleon bei Waterloo sie sich wähnen,
selbst den Neutralen kommen die Tränen,
ob der Schönheit des Potsdamer Spiels,
oder aus Mitleid und Mitgefühl,
für den Klaus, der dafür nun gar nichts kann.

Doch ehrlicherweise, ihr wisst es wohl schon,
gebührt uns der Auftrag der Inklusion,
drum stolz wir verkünden es von den Zinnen,
auch Cottbus durfte 'nen Satz gewinnen.

Das Spiel ist vorbei, das Feuer verschwelt,
doch lasst sprechen den Schiller: "Nur einer fehlt."
Nein, nicht John Maynard, der war gar nicht dabei,
vielmehr König Klaus, mit Ordnungszahl zwei.
Vor dem Abklatschen er sich sich heimlich versteckt,
in der Kabine - das nennt man Respekt.

Montag, 18. November 2019

+++ Breaking News +++

+++ Nierenschaden in Wriezen: Dr. Guse übernimmt den erforderlichen Eingriff +++ standesgemäß: König Klaus II verweigert nach 3:1 Klatsche das Abklatschen +++ Schönheitsoperation: Dr. Taubert korrigiert Augenfehlstellung +++ USV'ler plündern Bierreserven in Wriezen: Notstand ausgerufen +++ Landesbeauftragte für Inklusion: Cottbus darf einen Satz gewinnen +++

"Die Feder ist mächtiger als das Schwert"

Das Potsdamer Kreuzfahrerheer rückte auf dem Pilgerpfad vom östlichen Imperium (die B 97 von Cottbus kommend) durch die Schlucht des sichelförmigen Mondes (die L 52 Richtung Sellessen) vor. Am Ort der Schlacht angekommen, entwickelte sich folgender fiktiver, aber alternativfaktischer Dialog mit schillernder Quintessenz zwischen dem Gralswächter des Gastgebers und unserem Hunnenkönig: "Warum habt ihr nur drei Kästen Holsten da?", fragte ihn finster der Attila und sprach ganz ohne Verzeihen: "Das sollt ihr am Kreuze bereuen!"
Das erste Spiel gegen den SC Potsdam passt stilistisch nicht unbedingt in mein Drehbuch, handelte es sich doch mehr um ein "Treffen der Generationen". Zumindest zwei Männer waren noch Heiden (an der Stelle kommt jetzt das Gelächter vom Tonband - alternativ die zirpende Grille). Nach 63 min. waren alle Messen gesungen und die 3:0 Taufe erledigt, so dass wir mit Fug und Recht behaupten konnten, unsere Kreuze an der richtigen Stelle gemacht, bzw. aufgestellt zu haben - das kann im Süden Brandenburgs weiß Gott nicht jeder.
Nun galt es, die slawischen Völker Südbrandenburgs entweder zu bekehren, oder ihnen ihr eigenes Golgatha zu bescheren. Nach stockendem Anfang - der Gegner hatte immerhin "Kamele, Pferde, bewaffnete Eskorte, Proviant, Wüstenfahrzeuge und Panzer", quasi ein Heimspiel - in dem wir trotz guter Spielanalage zu wenig aus unseren Möglichkeiten machten, erkannten wir, dass man Jehova im Lateinischen mit "I" schreibt. Fortan schnitzten wir fröhlich nach dem Motto "durch die Tür, links, jeder nur ein Kreuz" an den Zedernstämmen für die Spremberger Kreuzigungsgruppe. Nachdem die folgenden Sätze mit 25:12 und 25:18 an die Ritter der Kokosnuss gingen, lief beim Stand vom 24:19 im vierten Satz eigentlich schon der Abspann. Respekt für Spremberg, dass sie noch auf 24:24 heran kamen, aber dann erst den Aufschlag ins Netz zu setzen und anschließend in einen Einerblock zu kloppen - symptomatisch.
Attila als gebürtiges rurales Peripheriekind schien zu wissen, dass in der südbrandenburgischen Steppe die Bierbrunnen rar gesät sind und hatte seinen Esel mit den entsprechend gefüllten Ziegenhäuten beladen, so dass die Versorgung der strahlenden Helden gesichert war. In unserer Weisheit haben wir die heiligen Gefäße natürlich nicht am großen Siegel vorbei geführt - wir können dem strukturschwachen Süden ja nicht auch noch den Flaschenpfand klauen.
Fazit: "Nur der bußfertige Mann wird bestehen."Und da es Spremberg versäumte, devot vor uns auf die Knie zu fallen, gingen sie eben gesengten Hauptes (oder enthauptet, je nach Lesart) vom Feld. Nur so als dezente Anregung für alle anderen Brandenburgligisten.