Sonntag, 1. Juli 2001

Archiv: Die Saison 2000/2001

Die Brandenburgliga-Saison 2000/2001
 
1. Punktspieltag (KWH, Frankfurt):
 
Nach unserer Saisonvorbereitung, die durch übertriebene Härte, gnadenlose Willkür und unberechenbare Brutalität gekennzeichnet war, was nicht zuletzt einen großen Ausfall an spielerischem Material nach sich zog, war nun die Zeit gekommen, diese übertriebene Gewalt auf unsere Gegner zu projizieren – das erste Punktspiel stand an.

Kann mir mal einer sagen, warum unsere westdeutschen Mitbürger nicht in der Lage sind, die temporalen Begriffe „Viertel“ und „Dreiviertel“ richtig zu interpretieren? Auch unser Quotenwessi sah sich nicht imstande, die Berücksichtigung logischer Schlüsse unter Zuhilfenahme des Körperorgans Gehirn, zu einer passablen Abfahrtszeit in eine logische Konsequenz zu bringen, um daraus eine „eunomia“ zu generieren. Der verwirrte Leser wird sich fragen, was das zu bedeuten hat und es läßt sich ganz einfach mit den Worten umschreiben: der Penner hat verschlafen! (Aufgrund des intellektuellen Standards unserer Mannschaft, schien mir der wissenschaftliche Erklärungsansatz angebrachter.) Dafür bekam er gnadenlose Zwangshaft in einer Gehhilfe verordnet. Sein Zellenkumpel war kein anderer als der berüchtigte Geschichtenerzähler-Rudi, der ihn wohl rücksichtslos zugetextet haben muß, zumindest war er nach dieser Nerventherapie wieder zahm wie ein Lamm.
 
Das Spiel gegen Königs Wusterhausen verlief im Prinzip nicht schlecht. (Der aufmerksame Leser wird erkennen, daß aufgrund mangelnder Erniedrigung des Gegners und fehlender Überheblichkeit, dieses Spiel verloren wurde.) Ohne weiter auf Details eingehen zu wollen, die beiden Seiten gewisse Peinlichkeiten nicht ersparen würden, sei nur kurz erwähnt, daß KWH dieses Spiel nur knapp mit 3:2 gewinnen konnte.
 
Danach machte sich Frankfurt bereit, den Gang zum Schafott anzutreten. Der Henker in Form des USV gab sich alle Mühe, dem verängstigten Opfer so wenig Schmerzen wie möglich zufügen zu wollen, doch im 3.Satz packte die Mannschaft die sadistische Ader, die sie vom Trainingslager mitbekommen hatte und quälte Frankfurt noch einen Satz länger als eigentlich nötig. Nicht daß es Spaß machen würde, Sätze abzugeben, aber manchmal muß man halt den ureigenen tierischen Instinkten einer Mannschaft nachgeben. Um es kurz zusammenzufassen: der USV zerfleischte Frankfurt mit genüßlichen 3:1. Zu guter letzt, nachdem das Mannschaftsdeo seine Runde gemacht hatte und nun alle wie indonesische Tropen zur Regenzeit rochen, versammelten sich alle am runden Tisch und als alle begannen, die Niederlage schön zu reden wußte ich: es ist alles wie immer, Gott sei
Dank!
 
2. Punktspieltag (Brandenburg, Erkner):
 
Wie bedeutend dieser Spieltag wirklich war, erfuhren wir erst später am Abend (nein, wir wurden nicht aufgrund überragender Leistung in das Aufgebot der Nationalmannschaft beordert, auch wenn das vielleicht naheliegend wäre): der gegen Brandenburg spielentscheidende Faktor war 54 cm groß, gerade ein paar Minuten alt und hieß Eric. An dieser Stelle sagt die ganze Mannschaft: „Herzlichen Glückwunsch!“. Die neue Volleyballhoffnung erblickte etwa zur gleichen Zeit das Licht der Welt, als wir gerade unseren glorreichen Sieg gegen Brandenburg einfuhren. Das spielte sich wie folgt ab: Nach einem überragenden ersten Satz, in dem Attila den Brandenburgern einen Block nach dem anderen vor die Füße knallte und Rudi vor lauter Aufgaben schon der Arm schlabberig wurde, verlor das Spiel des USV plötzlich seine gewohnte Stabilität und schien vollkommen zusammenzubrechen. Die nächsten beiden Sätze gingen an Brandenburg. Im vierten Satz gelang es nach der Devise „Stellung halten – bis zum letzten Mann!“ einen Matchball abzuwehren und sich in den Tie-Break zu retten. Der Prinz hatte mehr als Recht, wenn er sagte: „Das war kein Volleyball, das war nur Kampf.“ Der Tie-Break sah bis zum 5:2 für uns sehr gut aus, doch dann kamen die schwarzen Angriffsminuten des Autors, mit 5:8 gegen uns ging es in den Wechsel. Als Marco noch zwei Annahmefehler dazu setzte, war der Satz jedoch bereits entschieden. Das Spiel ging mit 3:2 an Brandenburg – so schien es zumindest, bis Eric das Licht der Welt erblickte.
 
Brandenburg hatte einen Spieler eingesetzt, der nicht auf dem Spielprotokoll stand, was die Ergebnissituation innerhalb kürzester Zeit in ein 3:0 für uns umschlagen ließ. So grausam kann Volleyball sein – Eric ist damit zu unserem Held geworden und keiner zweifelt daran, daß er es war, der das Spiel zu unseren Gunsten gekippt hatte. Eigentlich habe ich keinen Grund, dieses Spiel schön zureden, da Brandenburg den Sieg mehr als verdient hatte, aber wer aus Fehlern nicht lernt (siehe letzte Saison!), der muß wohl bestraft werden. Außerdem wäre das nicht die Seite des USV, wenn hier nicht vernichtende Urteile über unsere Gegner stehen würden. Nachdem nun also Brandenburg in einem Spiel mit vernichtenden 3:0 vom Platz gebügelt wurde, in dem die spielerische Kreativität, das Engagement und die berühmte Kampfkraft des USV in vollen Zügen ausgeschöpft wurden (s.o.), war nun Erkner an der Reihe, mit ähnlich vernichtendem Spiel von uns bestraft zu werden. Im ersten Satz sah Erkner keine Sonne, zu perfekt funktionierte das Präzisionsinstrument USV Potsdam, zu hart und zu vernichtend waren unsere Angriffe und zu genial unsere Spielweise (riecht ihr auch?). Auch im zweiten Satz überzeugte der USV und gönnte sich nur im dritten Satz eine kleine Auszeit, dafür aber dann richtig, denn der Satz ging mit 25:16 an Erkner. Doch im vierten Satz war der USV wieder voll da, überzeugte mit gekonnten Kombinationen und heldenhaften Feldabwehren. Dennoch gelang es Erkner unerklärlicherweise mit 23:20 in Führung zu gehen. Doch dann kam die Zeit des Rudi: er textete die verschüchterte Schiedsrichterin minutenlang dermaßen wegen einer Fehlentscheidung zu, daß man das Gefühl hatte, er würde seine Klasse zusammenscheißen. Aber es zeigte Wirkung und der USV glich zum 23:23 aus, konnte aber nicht verhindern, daß Erkner einen Satzball bekam. Nach einer grandiosen Feldabwehrleistung von Marco, konnte dieser jedoch abgewehrt werden und der Satz und damit das Spiel für uns gewonnen werden. Manchmal macht mir unsere Genialität und unser Spielvermögen richtig Angst, denn zu deutlich war die Ausbeute dieses Spieltages und zu überragend die Mannschaftsleistung des USV – aber wir wissen es besser. „Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an“
 
Der Jan möchte folgendes anmerken: Georg gilt als freier Autor. Daher behält es sich die Redaktion vor, die geäußerten Meinungen und Bewertungen nicht zwingend als die eigenen zu betrachten. Speziell ist es nicht primäre Zielstellung dieser Homepage, “vernichtende Urteile über unsere Gegner” zu zelebrieren und damit den Anschein der Notwendigkeit präintelligenter Trieb-Abfuhr zu erwecken - naja, vielleicht ein kleines bißchen.
 
3.Spieltag (Frankfurt, KWH):
 
„Zu großem sind wir noch bestimmt und herrlichen Tagen führe ich euch entgegen!“ Was Kaiser Wilhelm damals schon ahnte, sollte endlich an diesem Spieltag seine Erfüllung finden und den Beginn einer neuen Ära einläuten.
 
Im ersten Spiel gegen Frankfurt schaltete der USV auf Sparflamme und tat die ganze Zeit nicht mehr, als unbedingt nötig, was beim Gegner bestimmt den fehlerhaften Eindruck hinterlassen hat, eine Chance zu haben. Doch jederzeit war der Favorit aus Potsdam Herr des Spiels, kontrollierte es aus einer sicheren Feldabwehr und Annahme heraus und behielt es sich vor, in den entscheidenden Momenten mit der unwiderstehlichen Stärke seines Potentials den Satz für sich zu entscheiden. Obwohl der USV fast das gesamte Spiel mit dem B-Kader bestritt, war ein sicherer Sieg nie in Gefahr, was für die Stärke und Leistungsfähigkeit, sowie die Ausgeglichenheit der Mannschaft spricht.
 
Im Spitzenspiel des Tages trafen nur wenig später Königs Wusterhausen und Potsdam aufeinander und beiden Teams war klar - wer verliert „ ... läuft ... Gefahr, im Kampf ums Dasein zu unterliegen und Knecht der Menschheit zu werden“ (Bülow, 11.12. 1899). Nachdem der erste Satz an Königs Wusterhausen gegangen war, hatte die legendäre Kampfmaschine des USV endlich ihre volle Betriebstemperatur erreicht. So war es fast zwangsläufig, daß der zweite Satz an die Potsdamer ging, die immer besser ins Spiel fanden und einen spielerischen Glanzpunkt nach dem anderen setzten. Die Annahme stand sicher wie der Festungsriegel von Verdun, der Block wehrte, einer perfekt gedrillten makedonischen Phalanx gleich, jeden Angriff des Gegners ab und die Angriffe waren so unwiderstehlich und präzise vernichtend wie eine 8,8 cm Flak. Das Ergebnis wurde fast zur Nebensache, soll an dieser Stelle aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden: 3:1 siegte der USV mit einer überragenden Leistung. Auf eine diesbezügliche Frage antwortete Georg bescheiden: „Ich habe Angst vor uns.“ Ich finde, dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.
 
PS: „Was passiert eigentlich, wenn unsere erste absteigt?“ (Attila, 21.10.2000)
 
4. Spieltag (SC Potsdam, Waldstadt):

Das Motto für diesen Spieltag lautete: „Wiedersehen macht Freude“. An diesem Tag sah wirklich jeder jeden wieder: die desertierten SC Spieler in den Diensten von Waldstadt ihre alte Mannschaft, die sich ihren alten Trainer zurückgeholt hatte, wir sahen unsere liebsten Sympathieträger und letztendlich sahen wir uns alle wieder auf dem Feld der Ehre und stellten uns die „Question of Honor“. Der einzige Wermutstropfen: unser aller Liebling Weiland war nicht zugegen (Gott hab ihn selig). Und eigentlich war auch die Rollenverteilung von vornherein klar: der SC hatte die Rolle des willigen Opferschweins zu übernehmen – und, dafür Kompliment, keiner hätte die Rolle besser spielen können. Waldstadt war klarer Favorit und wurde diesem Titel auch gerecht, auch wenn das 3:0 gegen den USV (25:23, 25:22, 26:24) doch denkbar knapper war, als das Ergebnis anmuten läßt. Der USV sondierte zu
Beginn der Saison erst einmal die Lage und begab sich geschickt in Lauerstellung, um die ungeliebte Favoritenrolle nicht zugeschoben zu bekommen – das tat er mit einer Perfektion, die ihres gleichen sucht.

5. Spieltag (Erkner, Brandenburg):
 
Es gibt solche Tage, an denen Anspruch und Realität weit auseinander klaffen und irgendwie gehörte dieser auch dazu. Es ist immer schwer, Niederlagen als evidente Disproportionen zu legitimieren und zu akzeptieren, aber es war kaum zu übersehen, daß die Mannschaft von einer divergierenden Regression im Faktum der sukzessiven Kontinuitätsdiskrepanz zu einer Mutilation im Spielaufbau gelangte, die eine irreparable Myodynie im Bereich der kortikalen Stimulanz hinterließ.
 
Die Niederlage gegen Brandenburg stürzte uns in ein tiefes Trauma und eine dauerhafte Identitätskrise, die uns über ernsthafte Konsequenzen im Bereich der sanitären Ausstattung unserer Transporteinrichtungen nachdenken ließ. Da es aber wider erwartend gelang, unsere vegetativen Körperfunktionen im Bereich der normativen Funktionalität zu halten, wurde eine weitere Erörterung dieses Themas als nicht mehr evident erachtet. Obwohl mit dem Sieg gegen Erkner, ein sicheres und nie gefährdetes 3:2, der mal wieder einer grandiosen Ruhmestat der USV-Helden gleichkam, war eine gewisse Demotivation nicht zu verleugnen.
 
Aber wir wären ja nicht der USV, wenn wir uns nicht eine entsprechende Antwort in der Hinterhand behalten würden, die da lautet: „Widerstand ist zwecklos, sie werden assimiliert!“

6. Spieltag (Cottbus, Schöneiche):
 
Das Spiel gegen Cottbus entwickelte sich zu einer Kraftprobe. Durch den Ausfall von unserem Quoten-Wessi, waren wir von nun an gezwungen, jeder Wechselmöglichkeit beraubt, das letzte aus uns herauszuholen. Ich habe noch nie eine solch heldenhafte Feldabwehr gesehen, noch nie so eine konsequente Angriffssicherung – jeder riß sich den Arsch auf und kämpfte um jeden Ball. Es war das Paradebeispiel für die „Kampfmaschine USV“. Als es nach vier Sätzen ausgeglichen stand, mußte der fünfte das Spiel entscheiden. Doch im Tie Break schienen uns die Kräfte zu verlassen und alles sah nach einer deutlichen Niederlage aus, bis Alex beim Stand von 0:5 eine Auszeit nahm.
 
„Als wir versammelt waren, trat Alexander in unsere Mitte, sein Gesicht von tiefstem Kummer erfüllt, aber mit hocherhobenem Haupt. Eine wahrhaft schöne germanische Heldengestalt! Ich mußte an Siegfried denken mit der tödlichen Wunde im Rücken von Hagens Speer ...“ (anonymer Spieler) Mit ruhigen und vertrauenerweckenden Worten machte er uns klar, wie beschissen wir spielten und daß wir gefälligst unsere faulen Ärsche bewegen sollten. Das schlimme daran war: er hatte auch noch Recht! Also rauften wir uns zusammen und gingen als Führende in den Seitenwechsel. Als Cottbus die Nerven verlor, und nur Dank Toms beherztem Eingreifen der 2.Schiedsrichter vor schlimmeren körperlichen Konsequenzen bewahrt wurde, indem sich Tom wie ein Panzer schützend vor ihn stellte, war das Spiel gelaufen. Mit 15:13 gewannen die Potsdamer völlig verdient diesen Satz und damit
das Spiel.
 
Nicht weniger interessant gestaltete sich das zweite Spiel gegen Schöneiche, die nach zwei Sätzen sicher führten, bevor sich der USV erbarmte, die Partie doch etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Mit grandiosen Spielzügen und selten gesehenen Einlagen der akrobatischen Leistungsfähigkeit unserer Außenangreifer, die sich mit einer Bravour auf dem Parkett der Feldverteidigung bewegten, gelang es, den dritten Satz zu unseren Gunsten zu entscheiden. Aber nach einer Führung im vierten Satz gelang es der völlig ausgepumpten Mannschaft nicht mehr, das hohe Niveau zu halten und mußte dem intensiven und kraftaufreibenden Spiel den erwarteten Tribut zollen und ging mit wehenden Fahnen, vergleichbar mit unseren Helden vor den Falklandinseln, ruhmvoll und strahlend vor Glanz unter. Soviel Heldentum gab es selten auf dieser Welt und tief im Innern war ich stolz, dieser Mannschaft und diesem Heroismus zugehörig zu sein. Gott schütze dieses Team!
 
7. Spieltag (Schöneiche, Cottbus):
 
Nachdem Cottbus in der vergangenen Saison erlebt hatte, wie grausam sich Geschichte wiederholen kann – ich erinnere nur an die Vorjahresschmach von Potsdam-Waterloo – waren sie diesmal bestrebt, dieses Desaster nicht noch einmal über sich kommen zu lassen. Dementsprechend stark trumpfen sie im Spiel gegen den USV auf, dem schier gar nichts gelingen wollte. Auch wenn die Mannschaft verzweifelt kämpfte und versuchte, das letzte aus sich herauszuholen, so war doch gegen die stark aufspielenden Cottbusser an diesem Tage kein Stich zu holen. Mit einem sicheren 0:3 gingen wir vom Feld, beseelt in dem Gedanken, im nächsten Treffen dieses Ergebnis Lügen zu Strafen.

Zuvor jedoch trat der USV gegen Schöneiche an, die ihre Aufstiegsambitionen noch nicht begraben hatten, und noch immer auf Tuchfühlung zum Tabellenführer lagen. Doch auch Schöneiche mußte erleben, wie gnadenlos und vernichtend der USV über unachtsame Gegner herfallen kann und stand von Anfang an auf verlorenem Posten. Vergeblich versuchten sie, ihrem Schicksal zu entkommen, doch auch für Schöneiche wurde Potsdam zu einem Waterloo der Vereinsgeschichte, einem Schlag, von dem sie sich so schnell nicht erholen werden. Die ersten beiden Sätze sahen sie überhaupt keine Sonne, immer war der USV einen Schritt schneller, antizipierte grandios und zerfetzte mit vernichtenden Angriffen die Abwehr und die Moral seines Gegners. Erst im dritten Satz leistete Schöneiche erbitterten Widerstand, doch frei nach dem Motte: „ich wollt es wäre Nacht, oder die Preußen kämen“, mobilisierte der USV noch einmal alle Reserven, um dem rebellischen Gegner den Gnadenstoß zu geben und ihm ein vernichtendes 3:0 zu bescheren.
 
8. Spieltag (SC Potsdam, Waldstadt)
 
Nach den zwei Trainingstagen, den einzigen vor diesem Spiel, hatten wir alle das Gefühl, selbst mit einer Kreisklasse Mannschaft weit überfordert zu sein. Und so wie der Punktspieltag begann, fühlten wir uns in unseren Vorahnungen mehr als bestätigt. Einzig der Gedanke an eine Niederlage gegen den SC Potsdam, der in uns den abscheulichsten Ekel und den Wunsch hervorrief, uns übergeben zu wollen, ließ uns überhaupt eine annähernd Volleyball ähnliche Spiel“kultur“ annehmen. Andernfalls hätten wir wohl den gemeinschaftlichen Freitod unter der Dusche vorgezogen. So aber rauften wir uns mit unserem Kreisklasseniveau zusammen, und siegten sicher mit 3:1 gegen den SC, der ohnehin gegen unterklassige Mannschaften überfordert ist (ich erinnere nur an die Pokalpleite des vergangenen Jahres). Sollte im Laufe dieser Zeilen der Eindruck entstanden sein, daß wir eine, na formulieren wir es vorsichtig, „tiefe Abneigung“ gegen den SC Potsdam hegen, so ist das vollkommen richtig.
 
Im nächsten Spiel gegen Waldstadt hatten wir nichts zu verlieren, denn schließlich waren wir nicht in der Favoritenrolle (vgl. Spielbericht des 4.Spieltags), und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Waldstadt gab sich zwar alle Mühe, aber der USV knüpfte fast nahtlos an seine Ergebnisse des Vorjahres an. Sicherer Spielaufbau, solide Angriffsleistung, grandiose Feldabwehr gepaart mit überlegener Antizipation und letztendlich der unbändige Wille zu siegen brachten den USV Punkt für Punkt näher an den Sieg. In einer Auszeit hieß es: „Aber auch dadurch zeichnen wir uns aus, daß wir kühnen Mut und kluge Überlegung, bei allem, was wir anfassen, in uns vereinen ...“ (anonymer Mitspieler), dem sich einfach nichts mehr hinzufügen ließ. Mit einem sicheren 3:1 endete schließlich das Spiel für den USV Potsdam, der so langsam immer mehr in eine beständige und hochklassige Form kommt, vor der sich jeder Gegner in Acht nehmen muß.
 
Wieder einmal fühlt sich der Jan genötigt, das eine oder andere Wort zu den Spielberichten fallen zu lassen. Vermutlich ist es einem gewissen Hang des Spielberichts-Autors zur deutschen Geschichte (speziell zur Bismarckschen) zuzuschreiben, daß er, wenn er “wir” schreibt, so doch nur “ich” meint. Ich möchte an dieser Stelle die Leserschaft beruhigen: wenn er darüber hinaus beginnen sollte “ich” groß zu schreiben, wird die Mannschaft des USV II erzieherische Maßnahmen in Betracht ziehen.

9. Spieltag (KWH, Frankfurt)
 
So langsam war es an der Zeit, die Verhältnisse im Land Brandenburg zurecht zu rücken und ein für alle Male klarzustellen, wer die beste zweite Mannschaft ist. Obwohl der erste Satz ziemlich deutlich an Potsdam ging, war klar, daß sich KWH nicht abschlachten lassen würde, so daß der zweite Satz mehr als eng wurde und erst nach einer Rekordspielzeit mit 36:34 für Potsdam endete, die in dieser Situation die besseren Nerven hatten und ganz locker ihr Spiel spielten und sich selbst durch gegnerische Satzbälle nicht beirren ließen. Danach beschlossen die Potsdamer, das Spiel etwas offener zu gestalten und ihre ganze sarkastische Art am Gegner auszulassen. Ohne das es zu auffällig war, aber hart an der Grenze, schenkten sie die beiden folgenden Sätze ab, wiegten den ahnungslosen Gegner sogar noch im Tiebreak in völliger Sicherheit, immerhin hieß es 7:2 für Königs Wusterhausen, ehe sie in einem unwiderstehlichen Schlußspurt das Spielniveau dermaßen erhöhten, daß dem Gegner keine andere Wahl blieb, als staunend den Potsdamer Kombinationen zuzusehen. Nach kurzer Zeit hieß es statt 2:7 nun auf einmal 12:8 aus Potsdamer Sicht, die ihre ganze seelische Grausamkeit am Gegner praktizierten und mal wieder unter Beweis stellten, daß selbst die Stahlseile der Golden Gate Bridge nichts im Vergleich zu ihren Nerven sind. Völlig am Boden zerstört, dem Sieg bereits zum Greifen nahe, fiel KWH in ein tiefes Loch, das die Potsdamer fröhlich von oben zuschütteten. So grausam kann Sport sein!
 
Nach dieser Leistung schien Frankfurt eher eine Pflichtaufgabe zu sein, dennoch tat man sich erstaunlich schwer, ehe man im dritten Satz endlich anfing, Volleyball zu spielen. Mit einer 2:0 Führung im Rücken führte der USV seinen Gegner gnadenlos vor und nahm bei eigenem Matchball noch eine Auszeit, die Tom damit begründete: „Ich wollte Frankfurt einmal die Chance geben, länger als eine Stunde gegen uns zu spielen.“. Da Frankfurt Toms Friedensangebot nicht nutzte und den Aufschlag ins Aus schlug, war der 3:0 Erfolg perfekt, in weniger als einer Stunde sei an dieser Stelle angemerkt.

Die restlichen drei Berichte dieser Saison wurden zerstört, als das Archiv, in dem sie bis dahin lagerten, durch unsachgemäßen Umgang bei einer rituellen Verbrennung ein Opfer der Flammen wurde. Nur dem beherzten Eingreifen des Archivars war es zu verdanken, daß der Rest dieser kostbaren Überlieferungen gerettet werden konnten.

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