Donnerstag, 21. September 2017

"Weißt du noch damals?" - ein erhebender Tag für die halbe Liga, den USV noch hinter sich zu sehen



Den Versuch, es heroischen Vorbildern gleich zu tun, kann man auch übertreiben – dreihundert hätten wir zwar eh nicht auf den Spielberichtsbogen gekriegt, aber sieben wäre schon schön gewesen. Um die Thermophylen zu halten, hätte unsere Sechs sicherlich auch gereicht, aber bei einem pygmäengroßen Libero im Außenangriff zeigt dir die härteste Liga der Welt eben ganz geschmeidig den Mittelfinger.
Den präsaisonalen Stuhltanz gewann dieses Jahrl Klaus, der den vakanten Diagonalschemel bei Werder am schnellsten requirierte und damit vermutlich bei Brandenburg eine kaum adäquat zu füllende Lücke hinterließ (vgl. Ergebnisse der Blau-Weißen am ersten Spieltag). Damit bekam unser vertauschtes Weltbild endlich wieder eine klare Direktive und wir bedankten uns gleich nach dem ersten Ballwechsel entsprechend musikalisch dafür – diesmal aber ohne Socken.
Eigentlich war es auch mehr Werders Unvermögen zu verdanken, dass wir die ersten zwei Sätze für uns verbuchen konnten, denn trotz ihrer körperlichen Überlegenheit am Netz und unseres mehr als ausrechenbaren Angriffs bekamen sie uns nicht in den Griff. Werders Dämlichkeit endete dann leider im dritten Satz, zumal sie dann auch so etwas wie eine Annahme aufbieten konnten – zu unserem Leidwesen.  Am Ende stand ein 2:3 mit dem wir trotz unserer eigentlich aussichtslosen Lage etwas haderten.
Dass die Heroen aus Golm nach fünf intensiven Sätzen noch lange nicht am Ende ihrer Kräfte waren, lag wohl auch am intensiven Lauf- und Kopulationstraining während der Saisonvorbereitung. Das Spiel gegen den Gastgeber war gleich auf einem ganz anderen emotionalen Niveau, vor allem auch, weil vermeintliche Volleyballexperten der Grün-Weißen den Schiedsrichter belehren wollten – und das ist ein Metier, in das ich mir ungern reinpfuschen lasse. Gegen das Publikum zu spielen ist ohnehin viel reizvoller. Unser Spiel war angesichts mangelnder Optionen nicht variantenreicher geworden, dennoch schien das Lindow nach fünf Sätzen zuschauen entgangen zu sein – oder sie stellten sich tatsächlich so dämlich an. Anders lässt sich kaum erklären, warum wir schon wieder in den fünften Satz mussten. Beim Stand von 10:13 aus unserer Sicht schien die Sache auch schon wieder gegen uns zu laufen, doch in einem gemeinschaftlichen Kraftakt erkämpften wir uns den ersten Matchball. Dass wir den dritten dann auch nutzen konnten – so langsam krochen wir dann wirklich auf dem Zahnfleisch – lag an einer absolut richtigen technischen Bewertung des gegnerischen Zuspiels. Ich gebe zu, der Zeitpunkt war unglücklich, der Pfiff aus technischer Sicht aber absolut berechtigt, vor allem, wenn man ihn als Kumulation aller vorherigen verstörend beäugten, weil nicht geahndeten Zuspielunzulänglichkeiten betrachtet – es war nämlich der erste seiner Art.
Dass das letzte Spiel des Tages auch über fünf Sätze ging (Werder gewann am Ende) half uns zumindest dabei, die anderthalb Kästen Bier so zu dezimieren, dass wir hoch erhobenen Hauptes von einem gelungenen Auswärtsspiel sprechen dürfen.

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