Freitag, 1. Juli 2005

Archiv: Die Saison 2004/2005

Die Landesliga (Nord) Saison 2004/05

Aufgrund von akuten Defiziten in der Vergangenheitsbewältigung ist es bisher nicht möglich gewesen, unsere treuen Fans über den aktuellen Stand unserer Bestrebungen zur Erringung der Weltherrschaft zu unterrichten. Wir, in dem Falle der Majestätsplural meiner auf dem Trockenen sitzenden Person, hoffen, bald intellektuelle Darstellungen über die ersten großen Scharmützel dieser Saison vorzeigen zu können.

Als Ersatz ein kleiner Einblick in unsere Krankenakte: Unser medizinisch verhunzter Mittelblocker, den wir aus datentechnischen Gründen nur als Dr. Ommel bezeichnen möchten, scheint sich inzwischen auf ein Leben als Invalide einrichten zu müssen, da nunmehr fast Jahrzehnte ins Land gegangen sind und von einer Genesung seines Muskelfaserrisses mit intrudierten Hämatomen und anderen leckeren Abszessen nicht die Rede sein kann. Dagegen simuliert einer unserer Zuspieler muskuläre Probleme im Oberschenkel, die möglicherweise nur das Vorstadium der rezenten lateralen Diskontinuität einer artritischen Transzendenz darstellen. Der andere hatte das göttliche Geschick eines Trampeltieres, als er sämtliche im Fuß zur Verfügung stehenden Bänder über den Jordan schickte. Diese mit Dummheit kaum mehr zu umschreibende akrobatische Fehlleistung ist aber noch nicht die Krönung der schöpferischen Dämlichkeit. Ein gewisser Außenangreifer ist nicht mal mehr in der Lage, einen mehr oder weniger geworfenen Ball ohne eine Fraktur des kleinen Fingers fangen zu können. Gut, nun ist er um eine Titanlegierung reicher, aber mal ehrlich, solche Leute verletzen sich auch noch beim Popeln lebensgefährlich!

1. Spieltag (VSV Wittstock, Schwedt):

In nächtelangen Gesprächen mit dem Potsdamer Urgestein Tomfuzius, in denen wir unsere Saisonziele setzten, hieß es nur: „Irgendwie die ersten vier Spiele zu überleben, und dann geht’s los (ja damit ist der Aufstieg angepeilt)!“. Grund der Ungewissheit für die ersten beiden Spieltage war, dass wir arge Probleme hatten genügend Spielberechtigte Leute zusammenzufinden. Atti spielt jetzt in der Ersten, der Gröfaz hängt bei Beelitz rum, Ron ist auch weg, Georg war bei den Ösis wandern und ein paar Verletzte hatten wir auch noch (Tobi, Björn). Wenigstens fanden sich dann doch noch sieben Mann, die den Grundstein für das Unternehmen Wiederaufstieg legen sollten.

Pünktlich 10.58 kam dann auch der Großteil der Mannschaft zum Pfeifen des ersten Spiels – ja, jetzt müssen wir leider wieder ein komplettes Schiedsgericht stellen, noch ein Grund schleunigst wieder aufzusteigen –, indem der Hausherr Wittstock aber so was von schlecht gespielt hat, dass Schwedt förmlich gezwungen wurde dieses Spiel mit 3:0 zu gewinnen. Da dachten sich wohl die „glorreichen Sieben“ Potsdamer: „Ha, die hauen wir locker weg!“. Naja im ersten Satz hat es ja noch so halbwegs funktioniert, jedoch in den folgenden beiden Sätzen stellte der USV, wie schon so oft in der letzten Saison, alle volleyballtechnischen Grundelemente ein (vor allem die Annahme, was als Kritik vor allem an der eigenen Person zu verstehen ist!), so dass sich das Publikum ernsthaft Hoffnungen machte, hier einen Sieg der Heimmannschaft zu feiern. Da haben sie aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Auf einmal waren beim USV wieder Ansätze einer Spielkultur zu erkennen, woran Matze Rouvel erheblichen Anteil hatte, und wir gewannen das Spiel im 5. Satz, für unsere Verhältnisse auch relativ deutlich. Der erste Teil der Mission war somit erledigt, nun musste Schwedt herhalten und bekam unsere ganze Wut über die gegen Wittstock verlorenen Sätze zu spüren. Grund hierfür war unter anderem eine klare Ansage in der Spielpause vom Libero (O-Ton): „Passt auf wir nehmen jetzt einfach besser an, und dann haun wir die weg!“. Gesagt getan! Und als sich wirklich alle an diese Parole hielten, konnte Nico auch alle Angreifer der Reihe nach schön in Szene setzen. Weiterhin blockten Tom und Hoffi deren Hauptangreifer zu Beginn des Spiels nacheinander ab, so dass Schwedt richtig “fest“ wurde und die Lust am Volleyball verlor. 3:0 hieß es am Ende, das war ein schönes Ergebnis dachten wir, und genehmigten uns im Anschluss die erste Siegeszigarre der Saison (ich hoffe es werden noch mehr!) und ein erleichtertes: „Man haben wir die abjehaun!“. Alles in Allem lässt sich somit der Start in der Landesliga Nord kurz zusammenfassend mit den Worten – effektiv aber nicht immer schön anzusehen – beschreiben. Als positiv sollte man meiner Ansicht nach jedoch die gelungene Sozialisierung von (dem Landesmeister im Beach!!!) Matze R., der letzte Saison noch bei Waldstadt II spielte, und Patrick Lonau (aus: irgendwo im Norden) in die Mannschaft hervorheben.

2. Spieltag (PSV Basdorf, SV Hohennauen):

Nachdem sich Matze R. und Jan für den 2. Spieltag abmeldeten (Georg war immer noch wandern, Tobi und Björn auch noch verletzt!) und sich dann auch noch unser letzter verbleibender Zuspieler im Training verletzte, standen wir kurz davor, den Spieltag abzusagen. Durch eine taktische Meisterleistung gelang es Tom gerade noch rechtzeitig Andreas einen gültigen Spielerpass zu verschaffen, so dass wir mit ihm, Marci, Hoffi, Tom, Patrick und mir genau sechs gesunde Spieler (ohne Zuspieler, mit Libero) hatten. Björn stand noch als Notnagel auf dem Spielberichtsbogen, naja könnt sich ja einer bei Matchball für uns verletzen! So wurde aus dem Libero kurzer (man beachte das Wortspiel!) Hand ein Zuspieler – der sich am Block nicht beteiligt – und aus dem “Annahmegott“ Tom ein tripple A –annehmender Außenangreifer! Ein lustiger Haufen Volleyballer wäre wohl die passende Bezeichnung dieser Truppe. So war der Start gegen Basdorf auch sehr zerfahren. Fehlendes Timing zwischen Zuspiel und Angriff wurden deutlich, so dass wir einfach zu viele unforced errors produzierten und dem Gegner zu viele Punkte schenkten. Als Basdorf mit 2:1 nach Sätzen vorne lag, waren wir ganz dicht dran das Spiel zu kippen. Und wir hätten es auch, wenn nicht Basdorf diesen blöden vierten Satz knapp mit zwei Punkten Vorsprung gewonnen hätte. Sehr ärgerlich dachten wir uns. Jedoch muss Hohennauen noch verzweifelter nach ihrem Spiel gegen den Gastgeber gewesen sein, da ihnen ein 2:0 nach Sätzen und 24:20 Führung (und noch weitere Matchbälle im vierten Satz) nicht reichten, um das Spiel zu gewinnen. Ziemlich dumm, unserer Meinung nach, und so nutzen wir deren anhaltendes moralisches Loch – was wohl tiefer als der Marianengraben war – in das sie gefallen sind gnadenlos aus, um uns für den Faustschlag eines Hohennauerner’s in Ludwigfelde an Björn zu rächen. Warum wir den dritten Satz abgaben, weiß heute keiner mehr, aber mit einem 3:1 konnte wir an diesem Tag durchaus leben. Als Not-Zuspieler möchte ich noch die trotz aller Umstände sehr stabile Annahme aller Beteiligten hervorheben und einen Antrag stellen, auf dass ich nie wieder zuspielen muss! Ein weiteres Dankeschön möchte ich noch an Tobi, Ron und Björn richten, die uns eine gute moralische Unterstützung waren.

Der Ministers für Mannschaftsaufklärung und Propaganda möchte an dieser Stelle unserem “mülleimergroßen” Libero danken, der diesen episch anmutenden und lyrisch wertvollen Tatsachenbericht gespendet hat. Zudem muß ich leider bemerken, daß er sich im Schriftlichen ähnlich kontinuierlich und ausdauernd artikuliert wie im Verbalen. Als Wahrer der mannschaftlichen Selbstüberschätzung und grenzenlosen Arroganz muß ich apellieren, das sich in letzter Zeit häufende Loben zu unterlassen, da es den Eindruck des Stolzes erweckt, der im Rahmen unserer Ansprüche deplaziert ist.

3. Spieltag (SV Glienicke, WSG Waldstadt II):

An diesem Samstag kam es zum mit Spannung erwarteten ersten Aufeinandertreffen der “Giganten der Landesliga”. (Ohne die anderen Mannschaften gering schätzen zu wollen, aber mit dem Aufstieg werden diese wohl nichts zu tun haben.) Die Ausgangsposition für den USV war denkbar ungünstig, denn die Niederlage gegen Basdorf hatte ihn im Kampf um den Wiederaufstieg ins Hintertreffen gebracht. Ein Sieg gegen Waldstadt war daher Pflicht, hätte eine Niederlage doch bereits die Vorentscheidung zu so früher Zeit bedeutet. Doch zunächst mußte Glienicke, das als Tabellendritter angereist war, geschlagen werden. Leichte koordinative Probleme in der Spielanlage sorgten aber dafür, daß sich die Mannschaft das Leben selbst unnötig schwer machte. Mit einem 1:2 Satzrückstand bereits mit dem Rücken zur Wand stehend, begann der USV nun endlich, das Spiel unter seine Kontrolle zu bringen und erzwang der Tiebreak. Bereits nach wenigen Minuten war dieser bei einem Stand von 8:3 zum Seitenwechsel entschieden und endete, eigentlich standesgemäß, 15:8 für den Gastgeber. Möglich wurde dies durch den Entschluß von Tom und Hoffi, sich nun auch am Spielgeschehen zu beteiligen, was sich in einer effizienten Blockarbeit niederschlug. Ich wäre Glienicke sehr dankbar, wenn sie in Zukunft gleich das Unvermeidliche akzeptieren würden. Ach, noch eine Bemerkung am Rande: Ich glaube im Handball könntet Glienicke problemlos drei Ligen höher spielen, aber im Volleyball haben diese Würfte nichts zu suchen... und dürfen auch mal abgepfiffen werden! 

Danach schickte sich der USV an, die Relationen in der Landesliga Nord zurechtzurücken. Nach einem ungefährdeten Sieg im ersten Satz, zeigte die Mannschaft mit Beginn des zweiten Satzes, wozu diese immernoch ersatzgeschwächt agierende Truppe fähig ist und demontierte die favorisierten Waldstädter vollends. Erst nach einem soliden Vorsprung von 20:13 ließ der USV von seinem Wüten ab und verzichtete vorerst daruf, seinen Gegner nach allen Regeln der Sezierkunst zu zerlegen. Nach einem dezenten Beginn im dritten Satz schaffte es Waldstadt diesen für sich zu entscheiden. Im vierten entwickelte sich ein ständiges Hin und Her, bei dem der USV seinen Gegner mal auf drei bis vier Punkte davonziehen ließ, um dann gekonnt die Leine wieder anzuziehen und deutlich zu machen, daß man jederzeit Herr der Lage war. So war es dann auch eher ein unglücklicher Zufall, daß der vierte Satz doch noch verloren ging. Im Tiebreak jedoch war die Mannschaft nicht annähernd bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen. Beim Stand von 8:8 war es Waldstadt dann das letzte Mal vergönnt, sich auf einer Ebene mit dem überlegenen Gastgeber zu bewegen, bevor dieser unwiderstehlich und im Stile eines Armstrong anzog und den Sieg souverän nach Hause brachte. Man könnte in Anbetracht der personellen Sorgen sogar behaupten, daß der USV mit einem auf den Rücken gebundenen Arm gespielt, und letztlich überzeugend und hoch verdient gewonnen hat. Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit nutzen und der gesamten Mannschaft, einschließlich der zur Unterstützung angereisten Invaliden und “Quasitoten” meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen und meine Anerkennung zum Ausdruck bringen, und mich nicht zuletzt bei unserem “Trainer” und “Missing Link” bedanken, der uns taktisch klug und psychologisch gekonnt auf den Gegner eingestellt hat. Es war ein Sieg der Mannschaft! Ein besonderes Lob an unseren phlegmatischen Hoffi, der sein Attribut abgelegt und ein großes Spiel gemacht hat, weiter so!

4. Spieltag (Lindow-Gransee, Wusterhausen):

An diesem Samstag sollte das Potsdamer „Gilgamesch-Epos“ – eine epische Offenbarung über die ruhmreichen Taten der von den Göttern auserwählten Mannschaft, ein Gleichnis über Mut, Tapferkeit und grenzenloser Selbstaufgabe für das eine, das einzige Ziel: den Sieg über die Heerscharen der Unterwelt und den Aufstieg in himmlische Sphären (in körperlicher, wie geistiger Form) – um ein weiteres glorreiches Kapitel erweitert werden. Schon auf der Fahrt nach Lindow wurde das Bestreben, dem Gegner den Marsch zu blasen, akkustisch untermalt ... durch den „Marsch der finnländischen Reiterei“ (Jan leidet im Geiste mit). In den ersten beiden Säzten war es dem Gastgeber nicht wirklich vergönnt, am Spiel teilhaben zu dürfen, denn das mit dem Anpfiff des Schiedsrichters auf den ahnungslosen Gastgeber losgelassene potsdamer Raubtier verübte innerhalb kürzester Zeit ein dermaßen scheußlich mitanzusehendes Massaker am Hausherren, daß das Parkett mit ausblutenden Innereien übersät war und der USV in einer Blutlache wandelte. Nur mit viel Mühe gelang es, dieses Ungeheuer zu bändigen und Lindow nun endlich auch ein wenig mitspielen zu lassen. Unter Berücksichtigung der nötigen Spielerfahrung für breite Mannschaftsteile, ersahen wir es als sinnvoll, die volle Distanz auszuspielen, um auch unsere Verletzten langsam wieder an den Spielbetrieb heranzuführen. Es mag ein wenig sadistisch erscheinen, Lindow glauben zu lassen, einen Sieg gegen uns einfahren zu können, aber in Anbetracht der tadellosen Tiebreak-Bilanz des USV, schien dieses Vorhaben utopisch zu sein und war unmittelbar nach dem Seitenwechsel, als der USV von 8:7 auf 11:7 davonzog, ein gelutschter Drops.

Das Spiel gegen Wusterhausen, das zuvor dem Gastgeber mit 3:1 unterlegen war, lief etwas schleppend an und sah nach dem zweiten Satz eine ausgeglichene Satzbilanz. Von soviel Gemurmel auf der eigenen Seite angekotzt, bequemte man sich im dritten Satz nun endlich, das Spiel in die Hand zu nehmen. Mitte des dritten Satzes war die etatmäßige Überlegenheit des USV in allen Bereichen wieder hergestellt, so daß Wusterhausen, nun vollkommen demoralisiert, das Spielen im vierten Satz endgültig einstellte. Auch wenn der USV an diesem Tage keine überragende Leistung dargeboten hatte, und abgesehen von einer Demonstration seiner Vernichtungsmaschinerie in den ersten beiden Sätzen gegen Lindow kaum mehr für das Spiel getan hatte, als unbedingt nötig, bleiben unter dem Strich vier gewonnene Punkte ... und mehr ist nicht wichtig.

5. Spieltag (Schwedt, Wittstock):

Tom hatte nicht ganz unrecht, als er sagte „Du hättest vor jedem Spiel schon eine gelbe Karte verdient!“, und vermutlich fragt sich die halbe Liga, was da für eine wildgewordene Bestie in cholerischem Wahn über das Feld tobt. Eigentlich bin ich von Haus aus ein friedliebender und keiner Fliege etwas zu Leide tuender Zeitgenosse, aber bei dem was streckenweise in dieser Liga zusammengepfiffen wird, vergesse ich meine gute Kinderstube, die ich durchaus zu haben gehabt behaupte. Der aufmerksame Beobachter wird sich sicherlich fragen, ob diese Kritik in Zusammenhang mit einer durch eine Niederlage hervorgerufenen Unzufriedenheit steht, weshalb ich den nach verherrlichenden Taten und grenzenloser verbaler Vernichtung lechzenden Leser beruhigen möchte – dem ist nicht so.

An diesem Wochenende gehörte es bei uns zum guten Ton, jeden ersten Angriff des Satzes zu verweigern, wobei Andreas allen ein leuchtendes Vorbild war. Nachdem wir uns im ersten Satz gegen Schwedt demontiert hatten (die Hälfte der schwedter Punkte resultierte aus mehr als vermeidbaren Eigenfehlern), konnten wir den zweiten Satz nach einem 22:17 Vorsprung noch souverän mit 25:23 gewinnen. Umso ärgerlicher war dann der mit 26:28 verlorene dritte Satz, der erneut auf Unzulänglichkeiten im eigenen Abschluß zurückzuführen war – nach heldenhafter Feldabwehr den Paß an die Netzkannte zu kloppen, wirkt nicht gerade motivierend ... ja Marci, du bist gemeint! Für uns war damit klar, daß es in dieser Saison wohl zum fünften Mal in den Tiebreak gehen würde. Schwedt wußte davon zwar noch nichts und glaubte wohl auch daran, den vierten Satz gewinnen zu können. Höhepunkt in diesem vierten Satz war der den auf fünf Meter aufgerückten Feldabwehrspieler ereilende und von uns ausgiebig zelebrierte „Headshot“ , der ihn wie ein Blitz traf und zu Boden streckte. Der fünfte Satz verlief eigentlich wie immer: bis zum 8:6 hatte Schwedt noch mittelbaren Kontakt, aber unmittelbar nach dem Seitenwechsel, als auf schwedter Seite eine Granate bei vier Metern die Linie lang einschlug, war klar, daß hier für den Gastgeber nichts mehr zu holen war. Mit 15:10 ging der Satz an Potsdam. Das zweite Spiel des Tages erlebte dann, um beim Thema zu bleiben, eine sehr souveräne und fehlerlose Schiedsrichterleistung. Schwedt, das der geglaubt zu habenden Chance hinterhertrauerte, nahm an diesem Spiel sichtlich nicht mehr wirklichen Anteil, und überließ Wittstock ohne große Gegenwehr zwei sichere Punkte.

Das zweite Spiel des USV begann wie das erste ... eine unterirdische Leistung im ersten Satz und dessen sicherer Verlust. Da es bei unseren Außenangreifern nicht wirklich lief, verlagerten wir das Spiel nun auf die Mitte, wo Hoffi und Patrick ohne Rücksicht auf gegnerische Blockfragmente die wittstocker Feldabwehr zusammenschossen und sichtlichen Spaß dabei hatten. Der dritte Satz war wiedereinmal geprägt durch Serien von Totalausfällen, die es Wittstock ermöglichten, den Satzt offen zu gestalten. Letztlich setzte sich aber auch hier die Routine der Potsdamer durch. Der vierte Satz war noch bis zur Hälfte spannend, danach klinkten unsere Angreifer die Bälle nacheinander ein, was Wittstock auch den letzten Siegeswillen raubte. Da uns klar ist, daß über das Satzverhältnis gegen Waldstadt nichts zu holen sein wird, scheint uns die Motivation, zwei souveräne 3:0 an einem Spieltag durchzureißen, irgendwie abhanden gekommen zu sein. So stand auch an diesem Samstag ein 3:2 und ein 3:1 zu Buche, letztlich entscheidend waren auer die 4:0 Punkte. Die Rückfahrt von knapp 170 km erwies sich jedoch als wesentlich größerer Nervenprobe als alle bisherigen Spiele. Die Gesprächsthemen auf der Rückbank, die von in Turnhallen geworfenen Salamis bis hin zu zweistündigen Zahputzorgien reichten, waren nur im alkoholisierten Zustand zu ertragen, dem sich der Fahrer, in diesem Falle ich, leider nicht hingeben konnte. So hörten wir von Andreas lustige Anekdoten über Schulausflüge nach Chorin (mit seinem Grundkurs Kunst bei Frau Peter), von Matze nicht ganz jugendfreie Geschichten über pustenden Kaninchen (oder waren es blasende Hasen?) und Marci steuerte Erzählungen über geniale (fehlt da nicht irgendwo ein „t“?) Lappen bei, und damit war bestimmt nicht Martin gemeint.

6. Spieltag (Hohennauen, Basdorf):

Eigentlich hatte ich mich auf einen ruhigen ersten Satz eingestellt, in dem ich mit Atti und Björn ein paar intellektuelle Gespräche auf der Bank führen würde – abgesehen von den kurzen Augenblicken, in denen unser Libero doch mal vom Feld muß. Leider fand ich mich schneller auf dem Feld wieder, als es mir eigentlich lieb war, da die sechs Schwachköpfe auf dem Feld, nachdem sie den Gegner die Hälfte des Satzes dominiert hatten und 12:8 führten, das Spielen scheinbar einstellten. So endete dieser Satz dann auch mit 25:21 für den Tabellenvorletzten. Leider entpuppte sich der gewonnene zweite Satz als Strohfeuer, denn schon wieder war es das Unvermögen und die schier grenzenlose Unfähigkeit der Angreifer, die unseren sonst so ruhigen und in sich gekehrten Libero dazu brachten, sich in extatische Schimpfkanonaden zu steigern. Damit war also klar, daß es schon wieder fünf Sätze geben würde, was Hohennauen zwar noch nicht wußte, sich im vierten Satz aber auch nicht in der Lage zeigte, das zu verhindern. Im Tiebreak lief dann endlich das lange erwartete wilde Alligatorenrudel auf und hielt bereits zum Seitenwechsel den panisch fuchtelnden Hohennauener SV mit 8:4 fest zwischen seinen Kiefern. Nach dem Seitenwechsel wurde der Gegner dann nicht einfach nur seziert, sondern nach allen Regeln der Kunst abgeschlachtet und zerfetzt, wobei die Sprungaufgaben von Andreas – leider das einzig Große, was er an diesem Nachmittag bis dato geleistet hatte – erheblichen Anteil daran hatten. „Basdorf hat zwei Punkte, die ihnen nicht zustehen.“, stellte Tom einmal nicht zu unrecht fest. Doch im Unterschied zu damals konnten wir heute auf zwei Stammkräfte zurückgreifen, von denen an jenem zweiten Spieltag vermutlich einer ausgereicht hätte, um Basdorf seine Grenzen aufzuzeigen. Somit lautete für Matze und mich die Devise am heutigen Tag: „Rache für Basdorf!“ Im ersten Satz wurde Basdorf auch deutlich mit 25:16 abgeklatscht. Der zweite begann, wie der erste endete – souveränes und vernichtendes Spiel. Doch trotz einer sicheren 6:2 Führung versagte in dieser Phase erneut der Angriff, so daß es Basdorf trotz guter Annahme gelang, acht Punkte in Folge zu machen. Leider schleppte sich die „Formkrise“ bis zu einem 19:13 Vorsprung der Gäste weiter, ehe mit einem Mal die Aufholjagd begann. Wie eine Bestie, die das Blut seines wehrlosen Opfers geleckt hatte, nahm der USV Witterung auf und kam dem ahnungsvollen Opfer, das es mit einem Mal mit der Angst zu tun bekam, immer näher. Bei 23:23 schlug der USV dem hilflos zappelden PSV Basdorf dann seine Reißzähne in die Wade und warf ihn zu Boden. Ohne lange zu warten rammte die Bestie ihre spitzen Zähne in den Gegner: 25:23 hieß es am Ende für den USV. Der letzte Satz eignet sich wieder nur bedingt für Heldenepen, aber letztlich stand ein ungefährdestes 26:24 und endlich auch mal wieder ein 3:0 zu Buche. Es geht also doch noch.

7. Spieltag (Glienicke, Waldstadt):

Die letzten beiden Spiele dieses Jahres standen unter schwierigen Vorzeichen, obwohl wir mit Björn einen unserer Langzeitverletzten wieder in unseren Reihen begrüßen durften. Aufgrund der personellen Situation kamen wir auch nicht umhin, ihn sofort ins kalte Wasser zu schmeißen, quasi ihn durchspielen zu lassen. Während Petzi noch Klausur schreiben mußte und erst Mitte des ersten Spiels eintraf, zog Hoffi das Erimitendasein in den französischen Alpen vor und jagte Schneehasen (vermutlich gleich bis in sein Bett).

Manche mögen im ersten Spiel ein historisches „deja vu“ Erlebnis gehabt haben, und glaubten wohl, den „Dolchstoß“ von 1918 am eigenen Leibe zu erfahren. Grund dafür war die Leistung des Schiedsrichters, die, um Toms vorsichtige Formulierung zu zitieren, „stark vorsätzlich“ anmutete. Es gäbe genug Grund, an dieser Stelle in Haßtiraden überzugehen, die jeden islamischen Prediger vor Neid erblassen lassen würden, aber da die Person des Schiedsrichters geistig derart unterbelichtet ist, dürfte sie beim Versuch, diese zu verstehen, kaum mehr Gedankengut aufbringen, als eine Scheibe Toast, womit jede verbale Erniedrigung die reinste Verschwendung intellektueller Ressourcen wäre. Letztlich gab das jedoch nicht den Ausschlag für die erlittene 3:1 Niederlage gegen Glienicke, sondern vielmehr das eigene Unvermögen, einen Vorsprung bis zum Satzende durchzubringen. Man muß jedoch sagen, daß die Leistung des Schiedsrichters für einen Erhalt der Moral sehr abträglich war und ihr übriges dazu beigetragen hat. „Die Rache ist mein!“, sprach der Herr ... und wird in der Regel kalt, in diesem Falle eiskalt, serviert. Daß Waldstadt zu solchen Mitteln greifen muß, um den Aufstieg zu sichern, zeigt nur allzu deutlich, daß die Furcht vor dem USV weit stärker zu sein scheint, als das Vertrauen auf die eigenen spielerischen Mittel. Daß diese Angst berechtigt ist, zeigte sich im ersten Satz gegen Waldstadt, den der USV nach belieben dominierte. Der zweite Satz war lange ausgeglichen, bis eine Serie von vier Punkten den Waldstädtern den Sieg sicherte. Der dritte Satz war dann eine Offenbarung ... die zum Satzgewinn für den Gegner führte. Der vierte Satz wurde erneut sehr knapp, aber auch hier agierte Waldstadt am Ende glücklicher. Am Ende stand eine 3:1 Niederlage und die bittere Gewißheit, daß der Zug für den Aufstieg auf einem anderen Gleis fährt. Der un’srige fährt, dem Schlachtruf folgend, in jene, von Bodenschätzen überquellende, russische Provinz, aus der man nur gestählt und gestärkt zurückkehren kann ... oder in einem Block feinsten Permafrostes!

8. Spieltag (SV Wusterhausen, SG Lindow-Gransee):

Das Spiel gegen Wusterhausen lief etwas schleppend an und der USV brauchte bis zur Mitte des zweiten Satzes, um langsam die Federführung in dieser Begegnung zu übernehmen. Wusterhausen war es ohne große Gegenwehr gelungen, den ersten Satz für sich zu entscheiden, doch das dadurch ausgelöste Beben mit einer Momentmagnitude von ca. 2,1 ‰ auf der Masteit-Skala, erzeugte eine Welle, die zunächst unbemerkt auf Wusterhausen zurollte. Mit der zunehmenden Verringerung der differentialen Aktionstiefe des USV (quasi die Differenz aus der Idealpunktzahl 25 und der tatsächlichen Punktzahl in Relation zu den Punkten des Gegners) türmte sich die Welle zu Ende des zweiten Satzes gewaltig auf. Danach fuhr sie mit ungebremster Wucht auf den etwas hilflos dreinschauenden SV Wusterhausen nieder und spülte ihn förmlich vom Feld. Mit 25:10 und 25:13 wurden die folgenden beiden Sätze für den USV zum lustigen Leichenbergen. Die Redaktion möchte der geneigten Leserschaft auch einen neutralen Augenzeugenbericht von größter Seriosität nicht vorenthalten: „Der aufs Feld gelassenen Bestie konnte diesmal niemand Einhalt gebieten. Es war ein grausames Schauspiel das sich dort abspielte und so manchen veranlaßte, seinen von Ekel und Abscheu erfüllten Blick abzuwenden. Eine Bestie im Blutrausch wütete unter den Toten, denen das blanke Entsetzen in den leblosen Gesichtern stand, und von endlosen Qualen des Todes zeugte, und unter jenen, die mit letzter Kraft versuchten, diesem Gemetzel zu entgehen. Im Angriffsraum lagen Arme von Blockspielern, die durch die Angriffswucht des USV vom Torso getrennt worden waren, das Feld war übersäht von Gedärmen und anderen Innereien und über allem schwelte der unheimliche Gestank des Todes und der totalen physischen Vernichtung. Mit weit aufgerissenem Maul, aus dem der Geifer von den blutverschmierten Reißzähnen tropfte, wühlte die Bestie noch lange nach dem Abpfiff in den stinkenden Kadavern, welche einst die Mannschaft Wusterhausens stellte.“

Nach einem so grandiosen Sieg war es kaum verwunderlich, daß die 2:3 Niederlage gegen Lindow, so unnötig sie auch sein mochte, keinen wirklich beeindruckt hat. Es war zwar schade um unsere schöne Tiebreak Bilanz, aber letztlich kratzte uns das wenig, und auch wenn Lindow behauptete, wir hätten das Spiel im Block verloren, lassen sich die von ihnen erzielten Blocks gegen unsere Angreifer wohl an einer Hand abzielen. Wenn man bedenkt, daß Andreas in 5 Sätzen lediglich 2 von 31 Angiffen in die Pampa gehauen hat, frage ich mich, wie Lindow seine Blockstatisitik führt, respektive ihre Blocküberlegenheit begründet. Aber jeder Mensch braucht Illusionen ... und unsere ist episch einfach unerreicht.

Eine Anmerkung des Ministers für Richtigstellung, Mitgefühl und Nächstenliebe zu letzten Spielbericht: (Passagen in eckigen Klammern wurden im Interesse der Syntax ergänzt, und wirken sich nicht auf Stil und Inhalt aus) 

“Meine volleyballerische Ehre und der Respekt vor dem Gegner gebietet mir einige Ergänzungen zum aktuellen Spielbericht USV II vs. Wusterhausen, welche dem geneigten Leser einen realistischeren Eindruck des Spiels gibt, [zu tätigen]. Auch wenn ich Georg´s bildhafte Sprache schätze, sollte doch folgendes richtig gestellt werden. Anmerkungen des MRMN in Klammern:

“Der aufs Feld gelassenen Bestie (=Georg spielte von Anfang an, nahm aber erst ab dem dritten Satz auch geistig am Spiel teil) konnte diesmal niemand Einhalt gebieten. (= Tom und Atti hätten nach dem ersten Satz gern die ganze Mannschaft ausgewechselt, es mangelte jedoch an Ersatzspielern). Es war ein grausames Schauspiel das sich dort abspielte (=manche Aktionen wirkten bisher wirklich wie Schauspiel und nicht wie Volleyball) und so manchen veranlasste, seinen von Ekel und Abscheu erfüllten Blick abzuwenden(=Matze richtet seine Kronjuwelen, die anwesenden Damen können nur noch staunen). Eine Bestie im Blutrausch wütete unter den Toten,(=Björn schlägt einfach seine Aufgaben rüber und Wusterhausen verweigert reihenweise die Annahme, ... dann den Angriff, .....dann den Block, ... stellt dann das Mitspielen ein) denen das blanke Entsetzen in den leblosen Gesichtern stand (=Wusterhausen verzweifelt an seinem Unvermögen und der USV kann es kaum glauben, wie einfach Gewinnen manchmal ist), und von endlosen Qualen des Todes zeugte (=es sind noch zwei Sätze zu spielen, Wusterhausen panisch, USV gelangweilt), und unter jenen, die mit letzter Kraft versuchten, diesem Gemetzel zu entgehen (=freiwilliges? Ein- und Auswechseln beim Gegner).

Im Angriffsraum lagen Arme von Blockspielern, die durch die Angriffswucht des USV vom Torso getrennt worden waren, das Feld war übersäht von Gedärmen und anderen Innereien (=martialische Übertreibung des Autors als Folge einer 12stündigen Herr-der-Ringe-Kinosession) und über allem schwelte der unheimliche Gestank des Todes (=Wer hatgepupst?) und der totalen physischen Vernichtung. Mit weit aufgerissenem Maul (=Atti und Tom langweilen sich auf der Bank zu Tode und bekunden es deutlich), aus dem der Geifer von den blutverschmierten Reißzähnen tropfte (=Schokoladenreste aus der Satzpause), wühlte die Bestie noch lange nach dem Abpfiff in den stinkenden Kadavern (=freundschaftliche Umarmungen zwischen Prinz und USV-Spielern und gleichzeitige offensichtliche Häme gegenüber dem Verlierer), welche einst die Mannschaft Wusterhausens stellte.”

9. Spieltag (Wittstock, Schwedt):

Nachdem das Einschlagen beendet war, drängte sich unweigerlich die Frage auf, ob es nicht erfolgversprechender wäre, aus den turnhalleneigenen Urinalsystemen Springbrunnen für burmesische Tempelanlagen zu basteln, zumal uns die internationale Besetzung auf wittstocker Seite – mecklenburgische Liberos sind schließlich berühmt berüchtigt – in Angst und Schrecken versetzte. Dennoch gelang es den potsdamer Urinsteinmetzen, sich tapfer den wütenden Angriffen des haushohen Abstiegsfavoriten zu erwehren und ganz widererwartend den ersten Satz für sich zu entscheiden. In der Satzpause, muß irgendwie auf wittstocker Seite das Wort: „Jehova“ gefallen sein ... jeder kann sich vorstellen, was für Konsequenzen das hat. Nach den Statuten des (von uns beschlossenen) golmer Besatzungsrechtes, als dessen Exekutivgewalt wir agierten, konnte nur „Tod durch Urinsteinigung“ als angemessene Reaktion erfolgen. Das von uns verhängte und ausgeführte Urteil (Gewaltenteilung, so ein Quatsch) wurde durch eine gnadenreiche Milde des USV nur zu einem 25:15 Dilemma für den gebeutelten Gegner. Trotz der großzügigen Spende von immerhin drei Satzbällen im dritten Satz, sah sich Wittstock nicht in der Lage, auch nur einen davon zu verwandeln. Nach einer 24:21 Führung noch 24:26 zu verlieren ... vielleicht habt ihr in der Landesklasse mehr Glück!

Das zweite Spiel lief etwas träge an, so daß es Schwedt gelang, einen komfortablen Vorsprung von bis zu sechs Punkten herauszuarbeiten. Als sich die Potsdamer dazu entschlossen, das Spielelement „Block“ dem trägen Geplänkel hinzuzufügen, war der Ofen für Schwedt allerdings aus. Das gnadenlose Vernichtungswerk des USV, in dem die Schwedter wie einst die Römer bei Cannae eine totale physische Vernichtung erlebten, entwickelte sich zu einem grausamen Gemetzel, bei dem man auf potsdamer Seite nicht gewillt war, Gefangene zu machen. Wer nicht in der Kanonade der potsdamer Aufschläge unterging, wurde im Nahkampf am Netz brutal niedergemacht ... Überlebende gab es kaum. Nur das durch die Tränen der Schwedter aufgeweichte Geläuf verhinderte im dritten Satz die endgültige Vernichtung und Löschung aus der Geschichte. Die zwei klaren 3:0 Siege demonstrieren nicht nur die ungeahnte Perfektion potsdamer Volleyballkunst, sondern auch den ungebrochenen Willen, die Jagd auf das lahmende waldstädter Kaninchen erneut zu eröffnen, es in die Enge zu treiben und zu Tode zu hetzen, denn: „...niemand wird wirklich genau wissen, wo diese kleinen Dinge zu finden sind, die verknüpft sind mit einer Art von Handarbeitszeug, daß durch die Verknüpfung, verknüpft ist. Und zu der Zeit soll ein Freund seines Freundes Hammer verlieren ...ähm... und die Jungen sollen nicht wissen, wo die Dinge, die jene Väter erst um 8 Uhr am vorhergehenden Abend dorthin gelegt hatten, kurz vor Glockenschlag.“

PS.: Nachdem das erste Mal in der langen und ruhmreichen Geschichte des USV II ein westdeutscher Mitbürger die Kapitänsbinde tragen durfte, scheint die Integration derer vom anderen Ufer (der Elbe) abgeschlossen.

10. Spieltag (SV Hohennauen, PSV Basdorf):

Ich gebe zu, daß das von Clausewitz verfaßte Standardwerk „Vom Kriege“ nicht leicht zu lesen ist, und möglicherweise so manchen in seinen geistigen Fähigkeiten überfordert, aber mit der Umsetzung des Kapitels über die psychologische Kriegführung hatte sich Hohennauen selbst „angeschissen“. Auch in Bezug auf die vorbeigeströmten Völkerscharen, die mit ihrer lautstarken Unterstützung ihre Sympathien für den Hohennauener SV bekundeten, empfehle ich unserem Gegner das Standardwerk von Forgas, speziell das Kapitel über soziale Beeinflussung, nochmal intensiver zu studieren. All diese offensichtlichen Griffe in den Abort machten das Spiel für uns dafür umso amüsanter. Der erste Satz wurde zu einer Nervenprobe, die der psychisch gestählte USV souverän mit 30:28 für sich entscheiden konnte. Dabei setzten Marci und Georg in der entscheidenden Phase vor allem auf das allseits beliebte Prinzip „Dein Freund der Block“, und umgingen so die doch recht starke Feldabwehr von Hohennauen, die uns zuvor so zu schaffen gemacht hatte. Im zweiten Satz, verlor Hohennauen sogar noch schneller die Nerven und warf bereits bei 28:26 das Handtuch. Im dritten Satz agierten wir dann etwas fahrlässig mit unseren Chancen, vielleicht auch in dem Glauben, Hohennauen würde sich nun in seinem eigenen Mitleid ertränken, so daß der Gastgeber den Satzanschluss herstellen konnte. Im vierten Satz nahmen wir dann einen strategischen Wechsel im Mittelblock vor – zugegeben, von „Block“ war bei uns im ganzen Spiel nicht zu sprechen – indem wir Petzi brachten, der mit seinen mordsgefährlichen Standaufgaben, die streckenweise fast die Hallendecke streiften, den Satz zu unseren Gunsten kippte. Daß es ausgerechnet zwei Blocks waren, die den 25:22 Endstand herstellten, mag angesichts dieses kaum vorhandenen Spielelements wohl eher als symbolisches „Anscheißen“ verstanden werden, denn darin sind wir ja unübertroffene Meister. Das Spiel gegen Basdorf war dann eigentlich nur noch reine Formsache, zumal man den Eindruck bekommen konnte, daß das Ergebnis für beide Mannschaften von vornherein feststand und auch keiner gewillt war, etwas daran zu ändern. Lediglich im ersten Satz wurde es eng. Zum Abschluß stand jedoch ein ungefährdetes 3:0, das streckenweise an den Völkermord von Ruanda erinnerte. Entsprechend gelöst war die Stimmung nach den beiden Pflichtsiegen ... die Waldstadt nicht aufweisen konnte, wie wir Minuten später erfuhren. Ich übe mich noch in bescheidener Zurückhaltung und erinnere nur an Attis tröstende Worte nach den Niederlagen von Glienicke: „Die Hoffnung stirbt zuletzt!“.

Nun kommt es in vierzehn Tagen doch noch zur Entscheidungsschlacht. Möge sie ein waldstädter Gettysburgh werden und künftigen USV-Generationen ein leuchtendes Vorbild für Opferbereitschaft, Siegeswillen und Glorie.

11. Spieltag (Waldstadt, Glienicke):

Der Tag der Krönung der von Gott geschaffenen und voll Anmut strahlenden Geschöpfe war gekommen und im tosenden Beifall der himmlischen Heerscharen, herbeiogeströmt um die Genesis in ihrer schöpferischen Vollkommenheit zu erleben, erblühten die Erwählten und zermalmten den um Gnade winselnden Feind zu jenen Bestandteilen, aus denen Gott einst die Ertde erschuf. Die Elenden wandten sich zur Flucht und wer es trotzdem wagte, sich den göttlichen Heroen entgegenzustellen, trat seinem Schöpfer schneller gegenüber, als er sein letztes Stoßgebet beendet hatte. Wer angesichts dieser Darstellung der Ereignisse leicht ins Grübeln kommt, sei daran erinnert: „Geschichte wird nicht gemacht, Geschichte wird geschrieben!“ und um nicht in Details zu verfallen, die womöglich den Blick auf das große Ganze verklären würden, sei angemerkt: „Wir sind letzte Saison unverdient abgestiegen, dann können wir diese Saison auch mal unverdient aufsteigen.“

Daß wir dieses stolz verkünden können liegt einzig und allein daran, daß wir unsere Chancen auf den Aufstieg, die wir uns an jenem Spieltag durchaus hätten verspielen können, durch einen glorreichen Sieg gegen Glienicke gewahrt haben. Kampfgeist und eiserne Geschlossenheit der Feldabwehrreiehn, wehrte den wütend anstürmenden Gegner ein ums andere Mal wehement ab, so daß die gefürchteten Gegenstöße über die Flanken diesem auf Dauer die Moral raubten, und nach einem gezielten Gegenstoß im fünften Satz dieser endgültig die Segel streichen mußte.

Fazit: Wir haben uns taktisch geschickt vor dem letzten Gefecht in den Windschatten begeben, die Favoritenrolle wieder beiseite geschoben und werden auf der leicht ansteigenden Zielgeraden im Stile eines Tom Steels mit Getränkeflaschen auf den Gegner werfen ... und am Ende siegreich sein!

12. (und letzter) Spieltag (Wusterhausen, Lindow):

Unsere Fahrt durch die einstmals blühenden Kulturlandschaften Brandenburgs begann mit einer intellektuellen Darbietung größter dichterischer Ekstase, wobei Matze und Björn das „Leben des Gallilei“ mit verteilten Rollen rezitierten und durch ihre inbrünstige Darbietung allen Insassen die Tränen in die Augen trieben. Björns anschließende Ausführungen zu den geoökologischen Besonderheiten des Havellandes und seinen ökonomischen Problemen am Beispiel der extensiven Weidewirtschaft um Nauen konnten dank des beherzten Eingreifens zivilchouragierter Fahrzeuginsassen im Ansatz verhindert werden. Im Spiel gegen Wusterhausen zeigte sich der spielerisch zweifellos bestehende, tabellarisch noch angestrebte, Klassenunterschied. Die souveräne Leistung wurde nur zeitweise durch die durch das Netz diffundierenden Eigenfehler, die sich manchmal hartnäckig bei unseren Spielern anlagerten, unterbrochen. Das alkoholbedingt geschwächte Immunsystem von Andreas war daher streckenweise indisponiert, so daß er zur Desinfektion für kurze Zeit auf die Bank mußte. Am Ende hatten wir die Halle mit einem klaren 3:0 absolut keimfrei geschossen und freuten uns auf eine noch offene Rechnung mit Lindow.

Die spielerische Auseinandersetzung mit Lindow wurde vom USV sehr konzentriert angegangen, so daß man im ersten Satz eine schnelle 11:7 Führung herausspielte. Die schnelle Egalisierung, die sich bis zum 14:14 hinzog, wurde infolge einer der gefürchteten Aufgabenserien von Georg (vielleicht waren es auch latente lindower Annahmeprobleme) zunichte gemacht und ein einen satzentscheidenden 21:14 Vorsprung transferiert. Vor allem Marci, der mit dem gegnerischen Block nach Belieben spielte, hatte an dem überlegenen 25:19 entscheidenden Anteil.Der zweite Satz gestaltete sich lange Zeit offen und fast schien es, als könnte Lindow den Potsdamern ebenbürtig sein, doch wie einst Armstrong seine Kontrahenten hinauf nach L’Alpe d’Huez stehenließ, so zog auch der USV in der Endphase des Satzes dermaßen an, daß Lindow nur noch staunen konnte. Trotz zwischenzeitlicher Diskussionen um die Aktivität der hinteren Extremitäten unseres Liberos bei der gegnerischen Aufgabe, die meines Erachtens auf neurale Störungen zurückzuführen waren, spielte der USV im dritten Satz genauso unbeirrt weiter, wie zuvor. Eine möglicherweise konditionelle bedingte Durchsetzungsschwäche von Tom, brachte Lindow durch den knappen 25:22 Satzgewinn zuzrück ins Spiel. Bezeichnend, daß es das eigene Unvermögen des USV war, welches das Spiel wieder offen gestaltete. Im vierten Satz schien dann etwas Sand in das Getriebe der Kampfmaschine USV gekommen zu sein und leider dauerten die Reparaturen an der empfindlichen Feinmechanik bis zum Ende des Satzes an. Um physischen und psychischen Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, mußten wir sogar unseren wertvollen Petzi aus dem Getriebe nehmen, da sich irgendwo in der Abstimmung mit Nico eine Schraube gelöst zu haben schien. Doch die intensiven Reparaturarbeiten waren dank der Professionalität der potsdamer Mechaniker bis zum Beginn des Tiebreaks behoben. Das Feuerwerk, das der USV nun zündete und Lindow in den nächsten acht Minuten aus der Halle fegen sollte, hatte glücklicherweise nur die siebenfache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Vermutlich war es dieser vorsichtigen Dosierung unserer Sprengexperten zu verdanken, daß Lindow doch noch auf beachtliche vier Punkte kam. Während Tom und Björn den gegnerischen Hautangreifer eine Mauer vor die Schlagrichtung zauberten, gegen die das chinesische Wunderwerk Krümelkacke war, wurde Nico auf der Aufgabe langsam der Arm müde. Nachdem dem siebenten Punktgewinn in Folge, war es eine unglücklich die Deckenverkleidung touchierende Feldabwehr von Nico, die Lindow den ersten Punkt bescherte. Der Satz war entschieden, noch bevor er begonnen hatte und bescherte Lindow ein Waterloo, gegen das Napoleon anno 1815 wie der strahlende Sieger aussah. Vivat USV II.

Donnerstag, 1. Juli 2004

Archiv: Die Saison 2003/2004

Die Brandenburgliga-Saison 2003/04

1. Punktspieltag (Ludwigsfelde, USV Cottbus):
 
... leider liegen uns (Majestätsplurarl der Redaktion) außer den Ergebnissen (1:3 gegen Ludwigsfelde und 3:2 gegen USV Cottbus) - man müssen die sich geärgert haben (eine 12:5Führung im Tiebreak gibt ja nicht mal eine Landesklassemannschaft wieder ab) - keine weiteren Meldungen zu diesem Spieltag vor - man munkelt aber was von einem Kilo gelber Telefone.
 
... nun doch noch ein Spielbericht: (von Jan)
 
Das legendäre "Von Anfang an konzentriert!" hallte in die Halle, schwirrte auf bizzaren Wegen durch den Raum und muß wohl als "Bitte ein Kilo gelbe Telefone" oder so in die Ohren der USV-Spieler zurückgeechot worden sein. So erinnerte denn das erste Spiel auch stark an eine lasche Spielfluss-Übung ohne Punkte-Zählen. Leider war Ludwigsfelde viel besser darin und die Höchststrafe der 10-Punkte Grenze konnte im dritten Satz nur mit einiger Mühe überschritten werden. Der knappe Gewinn des ersten Satzes läßt sich vermutlich dem zu diesem Zeitpunkt noch einigermaßen intakten Block zuschreiben. Letzteren könnte man für die folgenden drei Sätze vielleicht umschreiben mit: "JAAA, schlag mich, mach mich fertig, gib mir schmutzige Tiernamen ...". Aber lassen wir das.

Auch das zweite Spiel (USV-Potsdam gegen die polnische Nationalmannschaft) war nicht gerade geeignet, um dem USV zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Der USV schrammte mehr als einmal haarscharf an einer Niederlage vorbei - insbesondere im Tiebreak, der trotz eines Rückstandes von 4:11 bzw. 5:12 durch Taktik, Nerverstärke und den inzwischen wieder erstarkten Block gewonnen werden konnte.
 
2.Punktspieltag (Wriezen, Spremberg):
 
Obwohl der USV Potsdam schon mit 19:16 im ersten Satz führte, entschied der TKC Wriezen diesen Satz mit 25:22 für sich. Der USV hatte es offenbar darauf angelegt, den Gegner die Offensive anzutragen und ihm in dem Glauben an einen leichten Sieg zum unüberlegten Vormarsch zu provozieren ... anders kann ich mir den Verlust des ersten Satzes nicht erklären. Die Rechnung ging auf: Der Vormarsch der wriezener Angriffswelle wurde auf einmal jäh von Attila gestoppt, der einem “Eisernen Vorhang” gleich einen grandiosen “Ostblock” stellte. Tom ging dann dazu über, sich diesem Prinzip anzuschließen, so daß es am Netz zu einer stringenten “Blockbildung” kam. Mit 25:17 und 25:18 wurden die folgenden Sätze zu einer Demonstration größter Mauerbaukunst. Nun drehte Wriezen, die Niederlage vor Augen, noch einmal richtig auf und kämpfte um jeden Ball ... physisch und verbal. Letzteres jedoch ging dem Schiedsrichter auf die Dauer zu weit. In einem Anfall von cholerischem Wahnsinn steigerte sich Wriezen zu verbaler Höchstform und brachte somit etwas Farbe ins Spiel ... und das in einer Masse, die jeder aggressiven Viererkette zur Ehre gereichen würde: zweimal Gelb und einmal Rot! Wriezen gelang es dennoch, diesen Satz mit 25:23 zu gewinnen, war schwer zu beruhigen, so daß wir mit einer 1:0 Führung in den Tiebreak gingen, noch bevor dieser begonnen hatte. Diese Aggressivität versetzte Wriezen noch einmal einen Schub und zum Seitenwechsel führten sie bereits mit 8:5. Die Aufgabenserie von Rud, der erneut erstarkte Block, an dem sich diesmal auch Tobi beachtenswert beteiligte und die Tatsache, daß die Feldabwehr sich anschickte, Gummiwand zu spielen, verwandelten diesen Rückstand zu einem 11:8 Vorsprung für den USV. Beim Stand von 14:13 und eigener Annahme setzte Tom den Schlußpunkt mit einem überlegt langgezogenem Angriff auf die Grundlinie ... der Schlußpunkt einer hochdramatischen, hundertzwanzig Minuten dauernden Partie. Es war ein auf höchstem Niveau geführter Schlagabtausch, der nach fünf Sätzen einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieger im USV Potsdam sah.
 
Das Spiel gegen Spremberg eignet sich nicht wirklich dazu, Heldenepen zu schreiben, deshalb möchte ich dies einfach nur mit einem Zitat von Tom ad acta lege, “Die Niederlage war völlig unnötig, nicht zu verwechseln mit unverdient.”, und den Spieltag mit einem vor mir beschließen: “Die Schlacht von Wriezen haben wir gewonnen und das Nachhutgefecht gegen Spremberg verloren.” Was soll’s ... hinten kackt die Ente!
 
3. Punktspieltag (Brandenburg, Netzhoppers II):
 
Kennen Sie das auch ... lähmende Lethargie, phlegmatische Reaktionen und saisonal bedingten Ausfall von Körperfunktionen? Dann gehören sie wohl zu jenen USV Volleyballern, die sich gerade standhaft weigern, mit einer positiven Satzbilanz oder gar zwei Siegen aus einem Spieltag zu gehen. Aber: “Wahre Größe zeigt sich erst in der Niederlage!” Und der USV zeigte großen Sport ... vor allem gegen Netzhoppers II. Sogar so groß, daß man zwischenzeitlich vergessen konnte, daß es der große USV war, der dort Großes vollbrachte. Aber genug der Größe! Brandenburg hingegen wurde ähnlich wie bei einem Standgericht abgefertigt ... vorgeladen, verurteilt und hingerichtet - ein schnelles und schmerzloses Exempel, das all jenen eine Lehre sein sollte, die glauben, der USV würde kiloweise gelbe Telefone ordern. Ich habe aber beschlossen, nicht tiefer in den blutigen Eingeweiden von Brandenburg herum zu stochern, ihnen hilflos am Boden liegend die Rippen zu brechen und an ihren Gedärmen aufzuhängen um die ganze Grausamkeit des USV Massakers der blutrünstigen Meute von fanatischen Anhängern offenzulegen, die nur danach dürsten, solches hier zu lesen - wohl begründet, das steht fest. Ich möchte aber in Abetracht der noch in Aussicht stehenden Siege, vor allem gegen spezielle Freunde, nicht all mein Pulver verschießen, denn gerade diese Siege werden all dieser glorreichen Ausschmückungen bedürfen, die ihr alle erwartet ... wartet nur noch einen kleinen Augenblick, bald ist es soweit.

4. Punktspieltag (Waldstadt II, Netzhoppers III):
 
Wie eine Sandkastenclique, der man die Kuchenförmchen weggenommen hatte, und die dann heulend und hysterisch schreiend im Buddelkasten sitzend nach ihrer Mami rief, führte sich der Kindergartenverein von Königswusterhausen damals in Magdeburg auf. Bis auf Matze, der sogar bereit war, den verheulten Kuchenförmchen Werfern seine heißgeliebten Taschentücher anzubieten, konnte kaum einer Verständnis für dieses infantile Benehmen aufbringen ...
 
Die psychische Grausamkeit, den Gegner über weite Strecken des Spiels wie den sicheren Sieger aussehen zu und ihn bis zum Letzten in diesem Glauben zu lassen, dann doch knapp im Tiebreak zu gewinnen, beherrscht keine Mannschaft so grandios wie der USV Potsdam (der USV Cottbus erinnert sich gerade schmerzlich!). Die Kunst dabei ist, den Gegner in Selbstzweifel zu treiben die sich jedesmal in der Frage manifestieren: “Wie konnten wir dieses Spiel nur verlieren?” In Anbetracht der oben erwähnten Cholerik trieben wir diese psychische Grausamkeit bis zur nahezu vollendeten Perfektion. Die Taktik war einfach ... und daher einfach genial: Um den Gegner im sicheren Glauben des Sieges zu lassen, wurden sämtliche Defensivaktivitäten auf ein Minimum zurückgefahren, damit sich beim Gegner der Glaube an die absolute Überlegenheit ausreichend manifestieren konnte. Der ansonsten starke Block sollte dem Gegner bewußt Lücken öffnen und damit einen Schlagautomatismus erzeugen. Die Feldabwehr stellten wir zum Teil völlig ein, um dem Gegner im Spielaufbau erkalten zu lassen. Ein ähnliches Prinzip, nur nicht ganz so verschärft, wurde bei der Annahme angewandt. Dennoch gelang es durch spielerische Klasse, den Anschluß zu halten und sich nie allzu deutlich “verhauen” zu lassen. Der Plan griff: nach den ersten zwei abgeschenkten Sätzen, wurde die Mannschaft taktisch umgestellt, der Gegner verwirrt und die sämtlich zuvor ausgefallenen Spielelemente von 0 auf 100 gefahren. Der eintrainierte Schlagautomatismus machte es unseren Blockspielern nun kinderleicht, dem Gegner einen Ball nach dem anderen vor die Füße zu befördern. Trotzdem gab man dem Gegner noch genügend Chancen, noch an sich zu glauben, vor allem im vierten Satz, der mit 27:25 an den USV ging. Der Tiebreak war ähnlich knapp und ging letztendlich mit 16:14 an die Potsdamer.
 
Als Fazit stellt sich eine taktische Meisterleistung dar, die von der Mannschaft grandios umgesetzt wurde. Es fällt mir schwer, in einem solchen Konglomerat aus Perfektionen noch Spieler herauszuheben, aber ich möchte dennoch Jan, Ron und Rudi eine besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Aber bis auf den Autor haben alle an diesem Tage eine klasse Leistung geboten: “Ihr seid klasse, Jungs!”
 
Unsere jahrelange Freundschaft zu Waldstadt II und ihre momentan unschöne Tabellensituation ließ uns zu der Überzteugung gelangen, daß man durchaus lokale Schützenhilfe leisten dürfe - Freundschaften muß man schließlich pflegen. Wahre Freunde erkennt man eben in der Not und nicht zufällig heißt es “Teile (die Punkte) und hersche!”

5. Punktspieltag (Spremberg, Wriezen):
 
“In Westen nichts Neues” .. so, oder so ähnlich läßt sich dieser Spieltag kurz und prägnant zusammenfassen. Es dürfte den geneigten Leser in keinster Weise überraschen, daß wir ein Spiel souverän gewonnen und das andere ganz knapp und unglücklich verloren haben (der “Klassiker” also). Ohne dabei weiter auf die knappe 3:0 Klatsche von Wriezen einzugehen, die ich nur mit den Worten von Tobi kommentieren möchte: “Wir halten und im Hintergrund bis wir wissen, wen wir verfolgen müssen.”, möchte ich mich nun den erfreulichen Dingen des Lebens widmen.
 
Spremberg, nach ihrem Sieg beim Sanssouci-Pokal weit von den gestellten Erwartungen entfernt, bemühte sich dann endlich rechtzeitig zum Einschlagen in die Halle. Dies veranlaßte unseren Gröfaz Rudi dazu, zunächst mit dem B-Kader zu beginnen, eine weise Entscsheidung, wie sich herausstellte. Nach der unvermeidbaren Satzführung gelang es Spremberg aus mir unerklärlichen Gründen auszugleichen und im dritten Satz gleich einen 20:13 Vorsprung herauszuspielen. Dies läßt sich wie folgt erklären: Daß wir einen 13:19 Rückstand in einen Sieg umwandeln können, haben wir schon gegen Schöneiche demoinstriert, aber ewig quälte uns die Frage: “Ist das schon alles, können wir noch mehr?” Die Umsetzung der taktischen Anweisungen, die Errichtung eines Blocks und die erneute Erfindung der Feldabwehr, in Fachkreisen auch Gummiwand genannt, führte letztendlich zu einem 25:22 Endstand für den USV und zu der Erkenntnis ... der Rückstand kann garnicht groß genug sein (wenn der Gegner nicht unbedingt Wriezen heißt ... da hat das leider nicht ganz so geklappt, aber der Wille war da). Der vierte Satz begann mit Schwung, ein paar Sprungaufgaben und einer schnellen 9:3 Führung, die dann sicher in ein 25:22 verwandelt wurde.
 
Fazit: Wir verfahren weiter nach dem Prinzip “Teile und herrsche” ...
 
6.Punktspieltag (Cottbus, Ludwigsfelde):
 
Das Spiel gegen Cottbus war geprägt von Licht und Schatten, wobei der Terminus “Blockschatten” eine völlig neue, im übertragenen Sinne wahrhaftige Bedeutung bekam. Wenn man sich auf der einen Seite des Feldes wie ein Blinder fühlte und froh war, von der Aufgabe nicht erschlagen zu werden, machte es auf der anderen Seite genauso viel Spaß, die Blinden jenseits des Netzes nach Strich und Faden zu verarschen. Ich könnte auch behaupten, daß Cottbus von der Schönheit und Eleganz unseres Spiels geblendet war, aber das führt vielleicht ein wenig zu weit ... ach nee, doch nicht. Der Tiebreak mußte mal wieder das Spiel entscheiden. Trotz einem Rückstand zum Seitenwechsel kämpfte sich der USV Potsdam erneut heran und dann vorbei, führte gar mit 13:12. Doch dann schien uns auf einmal nicht mehr die Sonne aus dem Hintern. Zwei unserer (Denkpause des Autors: sage ich jetzt ” ansonsten zuverlässigsten Angreifer”, “größten Deppen” oder gar “bemittleidenswertesten Individuen” ... hmmm, gar nicht so einfach. Wie wärs mit “B-Kader-Spieler”...) Kameraden(schweine) waren dann der Meinung, daß es Cottbus nötiger hätte, und schlugen die nächsten beiden Angriffe fröhlich ins “Aus”. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.
 
Dagegen wollte Ludwigsfelde, das gerade gegen Cottbus ebenso knapp gewonnen hatte, sich nun gerne eine Klatsche von uns abholen. Dummerweise wußten sie nichts davon. Im ersten Satz mußten wir erstmal warm werden, bevor wir sie im zweiten so richtig böse verhauten und im dritten eine souveräne 23:20 Führung gegen den Baum setzten. Dabei schloß der Autor neue Freundschaften und mußte sich dann auch noch in der Satzpause dumm von der Seite anmachen lassen. Weil der vierte Satz nun gewonnen werden mußte, taten wir das einfach mal, wobei sich der gegnerische Mittelblock bei seinem Grenzübertritt an der Mittellinie verletzte, theatralisch zu Boden ging und das Spiel leider nicht fortsetzen konnte.
 
Das hat bestimmt ziemlich weh getan. Den fünften Satz zu verlieren war ziemlich albern. Aber wenn der Gegner einen Libero einsetzt, der auf dem Protokoll nicht als solcher gekennzeichnet ist, kann einem das egal sein. Wäre für das Nervenkostüm nur schöner gewesen, wenn das vor dem Abpfiff schon rausgekommen wäre. Somit ist das Spiel 3:0 für uns gewertet worden, zumindest vorerst, denn ganz ohne Protest durch Ludwigsfelde, wird das wohl nicht ad acta gelegt werden.
 
7. Punktspieltag (Brandenburg, KWh II):
 
Obwohl der USV im vierten und fünften Satz gegen Brandenburg klar die bessere Mannschaft war, und diese auch für sich entscheiden konnte, ist es tragisch festzustellen, daß die Entscheidung bereits nach dem dritten gefallen war. Vielleicht lag es den weihnachlichen Gefühlen, daß der USV zu so großer Freigiebigkeit animiert wurde, vielleicht waren es auch kosmische Strahlen oder parapsychologische Phänomene, die den sicheren 3:0 Erfolg des USV vereitelten. Frei nach Rudis “Hätte der Hund nicht gekackt, hätt er den Hasen bekommen.” bleibt festzustellen, daß bei uns so viel gekackt und geschissen wurde, daß es zum Himmel stank. Zum Spiel gegen KWh muß ich mir noch was episches einfallen lassen ...
 
8.Punktspieltag (KWh III, Waldstadt II):
 
Die weisen Worten unseres Tomfizius „Am effektivsten war ich heute zweifellos draußen.“ haben sich scheinbar gleich mehrere Spieler zu Eigen gemacht, so daß der Platz auf der Bankzu einem sehr gefragten Aufenthaltsort wurde, auf den jeder, der aufs Feld geschickt wurde, schnellstens wieder zurückgeholt zu werden wünschte. Vielleicht ist es auch eben jene Massekonzentration gewesen, welche die Gravitation dieses Sitzmöbels so stark erhöhte. er etwas unglückliche Verlust des ersten Satzes gegen Königs Wusterhausen wurde relativ chnell kompensiert, wobei der Gegner streckenweise nicht bereit war, sich durch das pielelement Annahme an diesem selbst zu beteiligen, so daß der zweite Satz relativ deutlich an den USV ging. Leider trat nun etwas ein, das man als „kumulierendes Divergenzassimilations-Phänomen“ bezeichnen kann und zu den schwersten Symptomen des USV Spiels zu zählen ist. Dieses Phänomen ist in jedem Spieler latent genetisch verankert und kommt häufig bei der Überschreitung eines kritischen, noch nicht genau lokalisierten Motivationspunktes zum Ausbruch und bewirkt die völlige Abschaltung der motorischen Automatismen, womit er Betroffene ins spieltechnische Grundschulalter zurückgeworfen wird. Die Folge war der deutliche Verlust des dritten Satzes. Im vierten konnte dieser systematische Verfall der spielerischen Qualität nur durch den radikalen Griff in das gravimetrisch extemporal gesteigerte Sitzmöbel gestoppt werden. Beim Rückstand von 3:11 schien er Satz bereits verloren, doch als der USV langsam zur Normalform zurückfand, schien Königs Wusterhausen keine Chance mehr zu haben und versuchte sich verzweifelt mit dem K1 auf die Punktemarke von 25 zu schleppen. Punkt um Punkt kam der gierige USV-Wolf dem immer ängstlicher werden KWh-Kaninchen näher und beim Stand von 23:22 für den USV war von dem einst glänzenden Fell des Hoppelhasen nur noch ein zerfetztes Stück Leder mit vereinzelt herausstehenden Haarbüscheln übrig. Doch irgendjemand schien dem Wolf auf einmal am Schwanz zu ziehen und plötzlich war das blöde Karnickel bei 25. Schöner Mist, aber damit ist das Abendessen nur vertagt, nicht ausgefallen. Zum Nachtisch gab es dann noch Waldstadt am Grill, aber so richtig Appetit nach dieser verpatzten Jagd hatte keiner mehr so richtig, so daß man sich das Stückchen Lende etwas widerwillig hinter den Gaumen schob. Aber immerhin mal wieder ein 3:0.

... aus mir unerfindlichen Gründen endete diese Saison abgrundtief. Da wir aber ohnehin unter Höhenangst leiden, ist es vielleicht besser, daß wir nun eine Liga tiefer spielen ...

Dienstag, 1. Juli 2003

Archiv: Die Saison 2002/2003

Die Brandenburgliga-Saison 2002/03
 
1. Punktspieltag (Brandenburg, Ludwigsfelde):
 
Auch wenn wir in unseren Reihen das “Grüne Trikot” haben, so sind wir doch eher als Bergfahrer einzustufen, so daß wir auf den Flachetappen lieber dezent im Hintergrund bleiben und mit unseren Kräften haushalten. Wer sich jetzt am Kopf kratz und fragt, was das nun schon wieder bedeuten soll (“...die Reden Stuß, ohne Bier getrunken zu haben - faszinierend!” Christian, 28.9.2002), wird ohne Zweifel feststellen, daß bis zu diesem Punkt noch kein heroisches oder feindvernichtendes Wort gefallen ist. Das wiederum läßt nur einen Schluß zu ...
 
Als starke Zeitfahrer haben wir natürlich den Prolog gewonnen, unser Angstgegner Brandenbug mußte eine herbe 3:0 Schlappe einstecken, die nichts als den süßlich-bitteren Geschmack von totaler Vernichtung und eine geknickte Heimmannschaft hinterließ. Wie eine Gruppe hilfloser Christen standen sie im Kolloseum und wurden von den auf sie losgelassenen USV Löwen in 56 min. zerfleischt und bis auf die Knochen abgenagt. Das “Massaker von Brandenburg” wird als eines der grausamsten Exempel, die je statuiert wurden, in die heldenverehrende Geschichte des USV eingehen und jeder der dabei war, wird noch seinen Enkeln von jenem Tag erzählen, als aus den Nebeln der Niederungen eine neue strahlende Ära des USV II seinen Anfang nahm.
 
Eigentlich wollte ich zu dem Spiel gegen Ludwigsfelde nicht viel schreiben, nur soviel: Da man alte Freunde nicht im Stich läßt, sahen wir es als unsere Pflicht an, Ludwigsfelde im bevorstehenden Abstiegskampf eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Wir sind einfach zu gut für diese Welt!
 
2. Punktspieltag (Königs Wusterhausen, Frankfurt):
 
Da Königs Wusterhausen nun schon zum zweiten Mal unsere intensive und akribisch geplante Vorbereitung und damit einen erfolgreichen Start in die Saison torpediert hatte, konnte die Devise nur heißen: „Gefangene werden nicht gemacht, Pardon wird nicht gegeben!“ Unsere Rache würde furchtbar sein. Der Auszug aus dem KTB liest sich wie folgt: „Nachdem in kurzen Gefechten die ersten Linien überwunden waren, drangen wir schnell ins Hinterland vor und stießen zunächst auf wenig Widerstand. Die nachlässige Sicherung unserer rückwärtigen Verbindungen animierte den Gegner jedoch, uns in die Flanken zu fallen und uns schwer zuzusetzen. Nach erneuter Formierung nahmen wir die Schlacht an und erzwangen durch unsere schwere Artillerie („Dicker Tom“) den Durchbruch an der linken Flanke. Die panische Reaktion des Gegners in seinem Zentrum ermöglichte auch an dieser Stelle den Durchbruch, wodurch seine Kampfmoral erheblich geschwächt wurde. Nach
kurzem Gefecht gelang es, den Gegner vernichtend zu schlagen und ihm eine vollständige physische Niederlage beizubringen!“
 
Ohne diesen grandiosen und unvergleichlichen Sieg übermäßig heroisieren zu wollen, was aufgrund der Art und Weise, wie er errungen wurde, kaum möglich scheint, muß die überragende Leistung dieser Helden des Spielfeldes unbedingt explizit hervorgehoben werden. „Legionäre, ich Caesar bin stolz auf Euch!“

Im zweiten Spiel stand uns die Horde Laurins gegenüber, der uns mit seinen „flighing dwarfs“ den Tag vermiesen wollte. Bei einer Mannschaft, wo selbst Tobi absolutes Gardemaß hätte, muß sich Tom wie Gulliver im Zwergenland vorgekommen sein. Entsprechend wütete jener in AdH-Form Befindlicher, und handelte nach guter russischer Art … sprich: Gewaltlösung pur (Tom hatte bei der Stürmung des Moskauer Theaters gut aufgepasst!). Mit diesen zwei Siegen (3:1 und 3:0) hat sich der USV auf den dritten Tabellenplatz in Lauerposition geschoben, doch schon nächste Woche soll aus dem Windschatten heraus der unwiderstehliche Antritt erfolgen ... Heia Safari!
 
3. Punktspieltag (Energie Cottbus, WSG Waldstadt I):
 
“Wir haben eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg”, so formulierte Attila, mit dem angeschlagenen doch bis zum letzten entschlossenen Blicke dem Leonidas von Sparta in der Schlacht bei der Termophylen gleich, unsere ach so unglückliche Situation. Doch nicht nur charaktergestärkt und hocherhobenen Hauptes in der Gewißheit ein ebenbürtiger Gegner gewesen zu sein verlassen wir für dieses Mal das Feld der Ehre, das für uns nichts dergleichen ließ, auch entschlossen und mit salomonischer Gewißheit, daß das nächste Treffen die unsrigen in den Glanze des Olymp emporheben wird. Nach dem Sieg im ersten Satz war der zweite so hart umkämpft wie einst die Festung von Verdun und endete mit einem unglücklichen 28:26 für Cottbus. Dieser moralische Verlust schien äußerlich keinen Einduck hinterlassen zu haben, denn der USV spielte unbeeindruckt davon in den folgenden zwei Sätzen eine souveräne Partie, doch im Innern schien das allzu stolze Herz des USV angeshlagen zu sein, denn trotz Führung in den entscheidenden Satzphasen vergab die Mannschaft beide Male die Chance, das Blatt zu wenden. Ein wahre Tragödie ... und so unnötig. Das ist der Stoff, aus dem die Helden von morgen geboren werden und bei Gott, Freunde, ihr werdet diese Heroen sein.
 
Gegen Waldstadt mußte der USV im ersten Satz erstmal wieder zu seinem Spiel finden und war bereit, diesen, dem höheren Ziel der Spielfindung unterordnend, abzugeben. Unbeeindruckt durch den Rückstand spielte der USV weiter, fand zu seiner Form und glich aus. Im dritten Satz erarbeitete man sich durch konzentriertes Spiel einen 14:7 Vorsprung, und nichts schien diese Kampfmaschine nun mehr stoppen zu können. Doch, oh Unglück. Wie ein Schiff, das in einer Seeschlacht durch einen Hydraulikschaden nicht mehr manövrieren kann, fiel in der Mannschaft der Angriffsdruck auf einen gefährlich tiefen Stand ab. Unerklärlich, wie plötzlich der Angriff völlig zum erliegen kam und der USV, nun hilflos treibend in See, vom fast schon versenkten Gegner zusammengeschossen wurde und auf Grund lief. Doch der USV kämpfte erneut und siegte völlig verdient im vierten Satz und rettete sich in den Tiebreak. Schon lag man mit 13:10 zurück, doch der Maschinenraum heizte, was die Kessel hergaben, und die Rohre der Geschütze verschlissen immer mehr, doch das für unmöglich gehaltene gelang, der USV glich aus. Doch, als wäre es der Tragödie nicht genug, versagte in der entscheidenden Phase die Feuerleitung und der Satz ging mit 17:15 an Waldstadt. Aber auch der Gegner hatte Opfer zu beklagen, denn Tom war der Meinung, gesichtskosmetische Eingriffe bei der Feldabwehr vornehmen zu müssen, und auch Nico ließ sich nicht lumpen, seine Visitenkarte in im Gesicht des Gegners zu hinterlassen.
 
PS: Ich glaube ich stehe in der Liga nicht allein, wenn ich an dieser Stelle die Leistung einiger Schiedsrichter bemängele, die aus Geltungssucht oder Machtmotiven eine sehr eigenwillige Auslegung des Regelwerks vollziehen, die keine der beteiligten Mannschaften nachvollziehen kann. Es gibt einfach Schiedsrichter, die gehören nicht in diese Liga.
 
4. Punktspieltag (Frankfurt, Königs Wusterhausen):
 
Nach einer langanhaltenden ethisch-moralischen Debatte innerhalb der Mannschaft kamen wir zu der Überzeugung, daß wir, wenn schon, nicht einseitig in den Abstiegskampf eingreifen dürften. Dieser Spieltag war also die logische Konsequenz in der Erhaltung unserer moralischen Grundsätze. Obwohl Rudis: “Dafür sind wir einfach zu gut” eher unseren spielerischen Fähigkeiten galt, kann man sie auch im übertragenden Sinne auf die geistige Größe des USV projizieren. Daß allerdings Frankfurts Musikgeschmack mit ihrer Tabellensituation korrelliert, war ein derber Rückschlag für die ästhetik-verwöhnte USV Seele. Die Rache wird mein sein, und mein Musikgeschmack ist legendär ...
 
Wie hoch unser spielerisches Potential liegt, mußte KWH leidvoll erfahren, als sie im Spiel gegen den USV, der über die Ahnungslosen wie die napoleonische Angriffsmaschinerie hinwegrollte, mit 3:0 völlig überfahren wurde. Mit dem feurigen “Hurra, zum Sturm - Marsch, Marsch!” der Truppen Lettow-Vorbecks in Deutsch Ostafrika warfen wir die Armen, die nicht wußten, wie ihnen geschah, völlig über den Haufen. Solche Spiele sollte es öfter geben.
 
PS: Ich möchte meine verehrten Mannschafts- und Leidensgenossen darauf hinweisen, daß eine weitere propagandistische Verherrlichung von Niederlagen, respektive Umschreibung in Siege, bei erneutem Vorkommen nicht mehr glaubwürdig erscheint.
 
5. Punktspieltag (Spremberg, Waldstadt II):
 
Die in der vergangenen Saison so sehr vermißte Konstanz im Spiel scheint in diesem Jahr endlich eingekehrt zu sein. Die Mannschaft hat zu einer homogenen Spielleistung gefunden, die kaum einer Schwankung unterliegt ... es spielt nur selten einer wirklich gut. Die Aufrechterhaltung eines einheitlichen Niveaus birgt zwar auch Probleme, aber der momentane Tabellenplatz 3 scheint den Kritikern dieses neuen Konzepts den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die bestplatzierte II. Mannschaft im Land Brandenburg bestätigt ihren Aufwärtstrend, denn kaum sechs Punkte beträgt der Rückstand zum Zweitplatzierten. Der souveräne 3:2 Sieg gegen Spremberg - symptomatisch für das Spiel des USV durch einen Einerblock besiegelt - zeugte wiedereinmal von der überragenden Genialität der Spielstrategen innerhalb der Mannschaft, die durch das bewußte Ausschöpfen der vollen
Spielzeit jedem Spieler die Möglichkeit eines Einsatzen geben wollten ... solidarischer kann eine Mannschaft nicht funktionieren.

Auch Waldstadt II mußte nach anfänglicher Euphorie schnell zurückstecken und bekam mächtig eins auf die Mütze. Natürlich gingen auch hier und da vereinzelte Punkte an den Gegner, dies geschah jedoch nur sporadisch und war für den Verlauf des Spiels kaum ausschlaggebend. Daß zufällig auch der Matchball für Waldstadt einer jener sporadisch vorkommenden Punkte des Gegners war, ist wohl einer ein Versehen gewesen, aber die Konstanz war trotz diesem kleineren Maleur ungebrochen gut.
 
6. Punktspieltag (Ludwigsfelde, Brandenburg):
 
Auch wenn Ron dem Intellekt der älteren Spieler hinterherhinkt - der Beweis wird sogleich ersichtlich - trifft seine Aussage: “Das war mein bester Spiel” doch ziemlich genau. Aber was heißt hier Spiel ... Demonstration unbändiger Macht und Stärke trifft diesen Spieltag wohl eher.
 
Obwohl Ludwigsfelde ehrlich gewillt schien, Gegenwehr leisten zu wollen, war die Überlegenheit des USV in allen Belangen doch zu groß. Kompromißlos im Angriff und eisen in der Verteidigung ließen Parallelen zu so legenderen Schlachten wie Leuthen oder Königgrätz aufkommen. Der Block erstickte die gegnerischen Angriffsbemühungen bereits im Keim und die gnadenlos geführte Konterattacke über die äußeren Flügel war unwiderstehlich und letztendlich tödlich. Ein klares 3:0 für den USV war das Fazit nach einer großartigen spielerischen wie taktischen Leistung.

Im Gegensatz zu Ludwigsfelde, war Brandenburg nicht einmal ernsthaft gewillt, Widerstand zu leisten, woran ihre kurz zuvor erlittene 3:2 Niederlage nicht ganz unschuldig war. Und erneut lieferte der USV, diesmal auf drei Positionen zum ersten Spiel verändert, eine Leistung ab, die in ihrer strahlenden Dominanz und ehernen Konstanz ihres Gleichen in dieser Liga sucht. “... hell aus dem Dunklen erstanden, leuchtet die Zukunft hervor!”. Apropos, auch Neues aus dem Liebesleben einiger Spieler wurde bekannt: anonymer Spieler: "So wie Rudi Volleyball spielt, habe ich Sex ..."
Rudi: Ja, immer außen anwichsen ... 

Eine kurze Zwischenbemerkung: ... aufgrund diverser Umstände, die ich nicht näher erläutern möchte, sah ich mich genötigt, meine heroisierenden Ikonendarstellungen unserer Mannschaft kurzzeitig auszusetzen. Sagen wir einfach, ich war im “Babylonischen Exil” ... 
9. Punktspieltag (Königswusterhausen, Frankfurt):
 
Nachdem wir mit der Niederlage gegen Brandenburg unser mentales Saisonziel, nämlich die Stärkung des mannshaftlichen Charakters durch Niederlagen, erreicht sahen, gibt es für uns nunmehr keinen Anreiz mehr, noch irgendwelche Spiele zu verlieren ... Charakterschweine sind wir ohnehin schon. Deshalb hatten wir keine Ambitionen Königs Wusterhausen mal einen Sieg zu schenken, geschweige denn Frankfurt auf seiner Abschiedstournee durch die Brandenburgliga in dem Glauben zu lassen, daß es bei uns irgendetwas zu holen gäbe. Obwohl man sich nach 2:1 Führung doch noch in den Tie Break gegen KWH bemühen mußte, siegte letztendlich die überlegene Routine des Potsdamer Erfolgssechsers, der in beeindruckender Manier seinen Anspruch auf eine kontinuierliche Fortsetzung der letztjährigen Ergebnisse in Hinblick auf den Saisonabschluß untermauerte.
 
Auch Frankfurt schien dieser geballten Macht volleyballerischen Könnens nichts entgegensetzen zu können und war dem unwiderstehlichen Endspurt des USV im dritten Satz, wo Frankfurt immerhin mit 24:20 führte nicht gewachsen. Fazit des Spieltages: der Feind ist in Reichweite, also schlagen wir ihn ... vernichtend!
 
2. Pokalrunde
 
Es hätte ein so wunderschöner Samstag morgen werden können, ein heißer Kaffee, ein intellektuelles Gespräch auf kompetenter Ebene ... wie gesagt, es “hätte”. Aber da war ja noch Martin mit im Auto, und nur wenige Kilometer später, kam man sich vor wie bei “Kinderquatsch mit Michael”, so daß Tom gezwungen war, seine sonderpädagogischen Fähigkeiten anzuwenden. Eine Stunde später bot sich in der Halle folgendes Bild: Während Nico, Tom, Attila und Georg einer Mütterkombo auf der Bank sitzend und Erziehungsprobleme diskutierend gleich am Rand saßen, bewarf sich unsere Juniorabteilung aus Ron, Tobi und Martin mit Kuchenförmchen im Sandkasten, wobei die Koordination in Bezug auf die Treffsicherheit mit 5jährigen Kindern durchaus zu konkurrieren wußte. Zum Glück aber, schien die Disziplin rechtzeitig zum Spiel wieder Einzug gehalten zu haben, so daß das zielgerichtete Verhauen des Gegners beginnen konnte. Mit 25:10 im ersten Satz, wurde das lustige “Klatschespiel” eröffnet, dem sich der Gegner im zweiten Satz (29:27 für den USV) nicht so ganz anschließen wollte. Es sah ein wenig so aus, als hätte die Löwenmutter ihren hungrigen Kleinen eine Antilope zur Erprobung ihres Jagdverhaltens hingeworfen, die dann von den Jungen spielerisch zerlegt wurde. Ein klares 3:0 und glückliche Löwenbabys waren das Resultat (siehe Gruppenphoto unten)
 
Diese drückende Überlegenheit gegen KWH V wurde auch im zweiten Spiel gegen Basdorf deutlich. Und wieder durften die Kleinen im Sandkasten mit ihren Kuchenförmchen auf den Gegner einhauen, bis auch dieser mit 3:0 Beulen den Sandkasten verließ. Fazit dieses Tages: die Kinder glücklich gemacht und größeren Schaden verhindert ... am 22.3. wartet nunmehr der USV I.
 
Die Rückfahrt war noch anstrengender, denn inzwischen hatte Martin mehrere Bier, Gaben des tags zuvor gealterten und nun 23 Lenze zählenden Sandkuchenbäckers Ron, gehabt, was seine Stimmung anhob und die anderen Insassen in die Verzweiflung trieb, die sich, bis auf den armen Fahrer, mit Alkohol trösten und betäuben konnten.

Montag, 1. Juli 2002

Archiv: Die Saison 2001/2002

Brandenburg-Liga Saison 2001/02
 
1. Spieltag (Brandenburg, Ludwigsfelde):
 
Selten hat der USV eine so desolate, inakzeptable und indiskutable Leistung abgeliefert wie an diesem Spieltag. Ein Debakel ohne gleichen ... eine unehrenhaftere Kapitulation vor dem Feind hat es in der gesamten Geschichte noch nicht gegeben. Jeder weitere Kommentar ist überflüssig!
 
2. Spieltag (Cottbus, Schöneiche):
 
In Cottbus kam es diesen Samstag zum Kellerduell, oder, wie Tom es so schön formulierte ... zum “Deppen-Treffen”. Von ihren Erwartungen und Ansprüchen nach dem ersten Spieltag weit entfernt, wollten Cottbus und Schöneiche den Abstand zur Spitze nicht abreißen lassen. Für den USV war die Lage noch dramatischer, denn mit zwei Niederlagen hätte man die Gravitation des Tabellenendes nur zu deutlich gespürt. Entsprechend konzentriert, und zwar diesmal wieder “von Anfang an”, ging man zu Werke. Schon im ersten Satz gegen Cottbus zeichnete sich ab, daß die Kinderkrankheiten, die noch
am ersten Spieltag einen reibungslosen Ablauf der Kampfmaschine USV behindert hatten, weitgehend beseitigt waren. Der Block, damals noch ein Schatten seiner selbst, warf jetzt einen ebenso großen und stand kompakt und gut. Ebenso verhielt es sich mit der Feldabwehr und der Annahme, die bis auf kleine Unstimmigkeiten eine starke Leistung boten und der Mannschaft den benötigten Rückhalt gaben. Nicht zuletzt den Zuspielern war es zu verdanken, daß der Gegner bald nicht mehr wußte, wie ihm geschah. Nach einer Stunde und 11 Minuten war Cottbus mit 3:0 geschlagen.
 
Für Schöneiche, den selbsternannten Titelfavoriten, dauerte das Desaster gegen den USV noch kürzer, denn nach nicht einmal einer Stunde, waren sie ebenfalls mit 3:0 gebügelt worden. Schon nach dem ersten Satz (25:16) müssen sie sich wie Napoleon nach Waterloo gefühlt haben.

Nach diesem Spieltag scheint mir jede stille Freude über die Leistung der Mannschaft angebrachter als eine verbale Vernichtung des Gegners (obwohl das angebracht wäre), denn nur zu passend ist neben der gezeigten sportlichen Größe auch die geistige. Wir wissen was wir können .... und das genügt uns, zumindest vorerst.
 
3. Spieltag (Frankfurt, Königs Wusterhausen):
 
“Es gibt keine leichten Spiele mehr”, war das Fazit dieses Spieltages, den sich eigentlich alle entwas ruhiger vorgestellt hatten. Obwohl Frankfurt im ersten Satz mehr als genug eigene Fehler machte, fanden sich doch noch sechs Idioten, die noch schlechter waren ... der USV, wer auch sonst! Im Anschluß an dieses Debakel wurde die Annahme prompt umgestellt, um das Spiel zu stabilisieren, was zunächst nur bedingt half. Dennoch gelang es mit viel Glück, den Satzausgleich herzustellen. Wer jetzt jedoch die Wende erwartete, wurde enttäuscht, denn wieder legte Frankfurt vor und nun sah es bedrohlich aus ... das Spiel lief zwar ganz gut, aber Frankfurt, das wie im Rausch spielte und dem fast alles gelang, jetzt noch zu schlagen, war fast unmöglich ... aber nur fast! Im vierten Satz endlich, schien sich die Normalform einzustellen und so ging es in den Tiebreak. Dann schwappte auf einmal eine Welle in rotschwarz über Frankfurt, das kaum noch zum Atmen kam und bereits zum Seitenwechsel war das Spiel beim Stand von 8:1 für den USV entschieden. Frankfurt kämpfte zwar tapfer, aber der USV ließ nichts mehr anbrennen und schaukelte den letztendlich doch glücklichen 3:2
Sieg nach Hause.
 
KWH schien im ersten Satz nicht auf dem Feld zu stehen, anders läßt sich das vernichtende Ergebnis von 25:10 nicht erklären. Doch im zweiten Satz, man hätte fast eine Wette darauf abschließen können, kamen sie wieder, wehrten sich und konnten trotz eriner Potsdamer Führung von 21:18 diesen Satz noch gewinnen. Der dritte Satz wurde zur Nagelprobe, die mit etwas Glück mit 25:23 an den USV ging, aber Glück hat bekanntlich der Tüchtige. Der vierte Satz war nur noch Formsache, KWH war demoraliseirt und zeigte kaum noch Gegenwehr .... wie auch, zu sicher agierte der USV.

Die zwei Siege waren wichtig, auch wenn sie teilweise etwas glücklich waren. Fazit: ein Spiel im harten Kampf gebogen, zwei Siege und die Gewißheit, daß die Liga so ausgeglichen ist, wie noch nie.
 
4. Spieltag (Spremberg, Waldstadt):
 
Dem preußischen Expansionsbedürfnis ist es zu verdanken, daß wir in heutiger Zeit unsere Brandenburg-Liga Ausflüge bis nach Spremberg machen dürfen. Nun machte sich also erneut eine Potsdamer Invasionstreitmacht auf den Weg nach Süden, um vor den Toren Sachsens Stärke zu demonstrieren .... nur letzteres ging dabei ein wenig unter, aber das galt für Waldstadt ebenso. Beim Duell der beiden Tabellenführer wollte der USV endlich den Rückstand egalisieren, oder zumindest verkürzt sehen, und bis zum Spiel gegen Waldstadt, das gegen Spremberg mit 2:3 unterlegen war, wogegen der USV ebenso deutlich mit 3:2 gewann, sah auch alles ganz gut aus.
 
Sogar die deutliche Führung im ersten Satz von 19:15, die man als Spitzenmannschaft eigentlich sicher nach hause bringen sollte, sah erfolgversprechend aus ... aber man kann sich auch dämlich anstellen. Nachdem Waldstadt dann auch noch den 2.Satz gewonnen hatte, sah sich der USV genötigt, so allmählich mal die Initiative zu ergreifen. Da dies auch geschah, ging der dritte Satz an eben jenen, doch im vierten Satz, wehrte sich Waldstadt wieder. Fazit: erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu (oder umgekehrt). Zumindest sind wir friedlich jeder mit 2:2 Punkten aus diesem Treffen herausgekommen, was wohl keinem so richtig weitergeholfen hat .... außer vielleicht Waldstadt, die nun endlich seit vielen Jahren ihren USV-Komplex ablegen konnten.
 
5.Spieltag (Ludwigsfelde, Brandenburg):
 
Wir hatten an diesem Tage nicht wenig gutzumachen, denn die Schmach des ersten Spieltags hing noch immer wie ein Schleier der Schande über uns. Entsprechend starteten wir gegen Ludwigsfelde, gewannen schnell den ersten Satz, mußten dann aber, eigentlich nicht verwunderlich, den Satzausgleich hinnehmen. Mit etwas Glück und Engagement enstchieden wir den dritten Satz wieder für uns, womit der vierte Satz nur noch Formsache war. Aber der Teufel steckt im Detail .... genauer gesagt im letzten Ballwechsel dieses Spiels, als sich unser Quotenwessi entschloß, seinen Rücken mal wieder zu ruinieren, was unserer ohnehin schon rar besetzten Auswechselbank nicht besonders gut tat.
 
So traten wir gegen Brandenburg in absoluter Notbesetzung an. Als wir im ersten Satz etwa mit 14:5 führten schaute ich Christian an und meinte: “Der nächste Satz macht mir Angst.”, und ich sollte recht behalten, leider! Nachdem der erste Satz mehr als deutlich gewonnen war (zu 15) hieß die Deviese im zweiten: Brandenburg nicht ins Spiel kommen lassen. Eigentlich ein guter Plan, nur ohne Annahme ist das schwer zu machen, denn genau die brach dort völlig zusammen, wobei auch der Autor einen beträchtlichen Anteil hatte. Genauso deutlich verhaute uns Brandenburg im zweiten Satz, wie sie den ersten von uns einen übergeholfen bekamen. Leider endete der dritte Satz genauso, die Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Nur mal etwas nebenbei: Wenn ich noch einmal erlebe, daß sich zwei Spieler auf oder neben dem Feld während eines Spiels vollnölen und sich aufführen wie im Kindergarten, vergesse ich meine gute Erziehung! Haben wir uns verstanden! So, das mußte mal sein. Alles wieder in Butter.
 
Im vierten Satz war dann wieder Kampf angesagt und tatsächlich fand der USV durch einen heldenhaften Kampf, Aufopferungsbereitschaft und Kameradschaft wieder ins Spiel zurück und zwang Brandenburg in den Tiebreak. Der war wieder ein Krimi für sich: schnell mit 6:3 in Führung gegangen, kam Brandenburg ohne etwas dafür zu können wieder heran und beim Seitenwechsel hieß es 8:7 für den USV, der wieder bis auf drei Punkte davonzog. Doch wieder gelang es Brandenburg die Lücke zu schließen. Bei 14:13 und eigener Aufgabe hatte der USV den ersten Matchball, zwei Punkte später den zweiten ... und auch zum letzten mal in diesem Spiel Aufgabe .... die letzte Aufgabe machte allerdings ein Brandenburger.
 
6. Spieltag (Schöneiche, Cottbus):
 
Es gibt Tage, an denen sollte man es möglichst vermeiden aufzustehen, geschweige denn einen Volleyball anzufassen. Nicht, daß Schöneiche im Stile eines Achill mit der Eleganz und Kraft eines jungen Gottes spielte, auch wenn man im vierten Satz auf der anderen Seite des Netzes fast diesen Eindruck hatte, vielmehr war dem uns höchst eigenen Unvermögen zuzuschreiben, das vor allem der Autor dieses Berichts gepachtet zu haben schien. Ohne weitere Einzelheiten ausführen zu wollen, sei an dieser Stelle nur der 3:1 Sieg von Schöneiche erwähnt. Wir betrachten das als Unfall ... alles weitere ergibt sich beim nächsten Punktspiel.

Wenigstens Cottbus hatte an diesem Tag ein Herz für Potsdamer. Es war wahrscheinlich schwieriger gegen uns zu verlieren, als Frieden im Nahen Osten zu schaffen .... in diesem Zusammenhang schlagen wir die Mannschaft von Energie Cottbus für die nächste Friedensmission in Israel vor. Kurz: 3:1 für Potsdam. Mehr kann und will ich zu diesem bescheiden schönen Tag nicht sagen, es wäre den Speicherplatz nicht wert. In diesem Sinne wünsche ich dem USV Potsdam II frohe Weihnachten und den Gegnern ein vernichtendes neues Jahr ... naja, zumindest bis zu Saisonende.

7. Spieltag (Spremberg, Waldstadt):
 
“Nach dem Winter brachte der Wiedererstarkte Tod und Verderben über seine Feinde ...” So wie einst Alexander der Große, so wütete auch der USV Potsdam II zu Beginn des neuen Jahres unter seinen Gegnern, indem er den Tabellenführer Waldstadt förmlich in der Luft zerriß. Aber der Reihe nach.
 
Spremberg wurde innerhalb weniger Minuten gewahr, daß sich der USV diesmal nicht auf einen Tiebreak einlassen wollte und keine Lust auf ein nettes Geplänkel hatte. Von Anfang an gaben sie Gas und obwohl das Spiel nicht unbedingt sehenswert war, weil Abstimmungs- und Timingprobleme nach der Winterpause nur zu offensichtlich waren, ging der USV schnell mit 2:0 Sätzen in Führung. Doch die soziale Ader, die der USV durch Auswechslungen danach an den Tag legte, wurde nicht belohnt, schnell lag man mit 11:2 zurück und der Satz war verloren, bevor er noch angefangen hatte. Im vierten Satz sollte der Stamm wieder alles richten, doch Spremberg war in Fahrt gekommen, ein Teil der USV-Spieler jedoch noch im Fahrwasser. Obwohl man bei 16:16 den Anschluß wieder geschafft hatte, zerstörten drei Annahmefehler in Folge die Chanen auf ein besseres Ende. Wieder mußte man gegen Spremberg in den Tiebreak und das Lotteriespiel begann erneut. Doch inzwischen waren wieder alle da, das Adrenalin unterdrückte alles andere und die Mannschaft spielte wie aus einem Guß. Als man beim Stand von 8:5 in den Seitenwechsel ging, war die Stimmung gelöst aber konzentriert. Langsam setzte man sich ab und gewann letztendlich sicher den Satz und das Spiel.
 
Waldstadt war als Tabellenführer von vornherein als das gejagte Wild anzusehen, und der USV machte keinen Hehl aus seinen Absichten. Schließlich mußte man gewinnen, wollte man den Titel nicht abhaken. So zeigte die Mannschaft im ersten Satz eine konzentrierte Leistung, das Zusammenspiel klappte immer besser ... inzwischen sah es wie Mannschaftssport aus. Durch eine Aufgabenserie setzte man sich in der Mitte des Satzes um fünf Punkte ab, was Sicherheit verlieh und Selbstvertrauen. Mit 25:20 gewann man diesen ersten Satz. Der zweite war eine Demonstration von Stärke, die seines gleichen suchte. Die Vernichtung der römischen Legionen am Trasimenschen See war harmlos gegen das, was der USV mit Waldstadt anstellte. Waldstadt wurde regelrecht zugerichtet, um dann später hingerichtet zu werden. Die Überlegenheit des USV war in jedem Aufbaustdium des Spiels zu sehen, vor allem jedoch im Zuspiel, Angriff und der Defensivabteilung war man dem Gegner um Meilen voraus. Ein Debakel für Waldstadt, das mit 25:15 endlich ein Ende fand. Der dritte Satz lief ähnlich deutlich, Waldstadt hatte wohl schon kapituliert, und nun nahm der USV den Gegner genüßlich auseinander. Keine 50 Minuten brauchte der USV, um die Verhältnisse in der Landeshauptstadt zurecht zu rücken ... einfach ein schönes Spiel, von dem wir uns mehr wünschen.
 
8. Spieltag (Königs Wusterhausen, Frankfurt):
 
“USV weiter auf dem Vormarsch!” Wie ein wildes Raubtier, das den Geruch von Blut in der Nase hat, gebärdete sich der USV Sechser auf dem Feld und ließ von Anfang an keine Zweifel daran aufkommen, wer der Favorit in dieser Begegnung war. Bereits nach den ersten Punkten hatte sie bereits ihre Reißzähne tief in das weiche Fleich des Opfers aus König Wusterhausen geschlagen und gaben nicht eher Ruhe, bis sie die berstenden Knochen bis auf den letzten Fleischfetzen abgenagt hatten. Vielmehr bleibt einem zu diesem Spiel nicht zu sagen ... es war ein Massaker von der allerfeinsten Sorte.
 
Ganz so leicht wollte es uns Frankfurt hingegen nicht machen und hielt tapfer dagegen. Obwohl der USV den ersten Satz sicher gewann, mußten sie den zweiten knapp mit 28:26 an die Gäste gehen lassen, was den USV allerdings nicht daran hinderte, im dritten Satz wiederholt ein Exempel zu statuieren. Damit schien der vierte Satz nur noch Formsache zu sein ... solange, bis Frankfurt mit 9:3 führte. Es wurde eng, aber Punkt für Punkt kämpfte sich der USV heran, und schaffte bei 12 den Ausgleich ... ging sogar mit drei Punkten in Führung. Doch weder ein 16:13, noch ein 20:17 Vorsprung konnten die Hausherren nach Hause schaukeln, was im Tiebreak endete. Die Tiebreakbilanz sah vor diesem positiv für den USV aus, doch als man mit 8:5 beim Seitenwechsel zurücklag und auch beim 12:9 noch nicht richtig Sonne sah, schienen sich alle schlechten Vorahnungen zu bewahrheiten. Auf der bank hatte man den Satz und damit das Spiel bereits abgehagt, doch dann .... dann kam unsere Attilote zur Aufgabe. Ein Spezialist für Einwürfe, der den Gegner damit dermaßen aus dem Konzept brachte, daß dieser, erneut beim Stande von 12, den Ausglich hinnehmen mußte. Doch Attila ließ niemanden mehr zur Aufgabe und schoß sich und uns in den Siebten Himmel. Danke, Atti!
 
Wie dem Mysterium des Turiner Grabtuches gleich liegt auch über dieser Saison ein literarischer Totenschleier vor seiner Zeit. Erwähnt sei an dieser Stelle nur noch, daß der USV Potsdam II zum Meistermacher wurde ... nur nicht zu seinem eigenen, was den Meister jedoch nicht ganz billig kam.

Sonntag, 1. Juli 2001

Archiv: Die Saison 2000/2001

Die Brandenburgliga-Saison 2000/2001
 
1. Punktspieltag (KWH, Frankfurt):
 
Nach unserer Saisonvorbereitung, die durch übertriebene Härte, gnadenlose Willkür und unberechenbare Brutalität gekennzeichnet war, was nicht zuletzt einen großen Ausfall an spielerischem Material nach sich zog, war nun die Zeit gekommen, diese übertriebene Gewalt auf unsere Gegner zu projizieren – das erste Punktspiel stand an.

Kann mir mal einer sagen, warum unsere westdeutschen Mitbürger nicht in der Lage sind, die temporalen Begriffe „Viertel“ und „Dreiviertel“ richtig zu interpretieren? Auch unser Quotenwessi sah sich nicht imstande, die Berücksichtigung logischer Schlüsse unter Zuhilfenahme des Körperorgans Gehirn, zu einer passablen Abfahrtszeit in eine logische Konsequenz zu bringen, um daraus eine „eunomia“ zu generieren. Der verwirrte Leser wird sich fragen, was das zu bedeuten hat und es läßt sich ganz einfach mit den Worten umschreiben: der Penner hat verschlafen! (Aufgrund des intellektuellen Standards unserer Mannschaft, schien mir der wissenschaftliche Erklärungsansatz angebrachter.) Dafür bekam er gnadenlose Zwangshaft in einer Gehhilfe verordnet. Sein Zellenkumpel war kein anderer als der berüchtigte Geschichtenerzähler-Rudi, der ihn wohl rücksichtslos zugetextet haben muß, zumindest war er nach dieser Nerventherapie wieder zahm wie ein Lamm.
 
Das Spiel gegen Königs Wusterhausen verlief im Prinzip nicht schlecht. (Der aufmerksame Leser wird erkennen, daß aufgrund mangelnder Erniedrigung des Gegners und fehlender Überheblichkeit, dieses Spiel verloren wurde.) Ohne weiter auf Details eingehen zu wollen, die beiden Seiten gewisse Peinlichkeiten nicht ersparen würden, sei nur kurz erwähnt, daß KWH dieses Spiel nur knapp mit 3:2 gewinnen konnte.
 
Danach machte sich Frankfurt bereit, den Gang zum Schafott anzutreten. Der Henker in Form des USV gab sich alle Mühe, dem verängstigten Opfer so wenig Schmerzen wie möglich zufügen zu wollen, doch im 3.Satz packte die Mannschaft die sadistische Ader, die sie vom Trainingslager mitbekommen hatte und quälte Frankfurt noch einen Satz länger als eigentlich nötig. Nicht daß es Spaß machen würde, Sätze abzugeben, aber manchmal muß man halt den ureigenen tierischen Instinkten einer Mannschaft nachgeben. Um es kurz zusammenzufassen: der USV zerfleischte Frankfurt mit genüßlichen 3:1. Zu guter letzt, nachdem das Mannschaftsdeo seine Runde gemacht hatte und nun alle wie indonesische Tropen zur Regenzeit rochen, versammelten sich alle am runden Tisch und als alle begannen, die Niederlage schön zu reden wußte ich: es ist alles wie immer, Gott sei
Dank!
 
2. Punktspieltag (Brandenburg, Erkner):
 
Wie bedeutend dieser Spieltag wirklich war, erfuhren wir erst später am Abend (nein, wir wurden nicht aufgrund überragender Leistung in das Aufgebot der Nationalmannschaft beordert, auch wenn das vielleicht naheliegend wäre): der gegen Brandenburg spielentscheidende Faktor war 54 cm groß, gerade ein paar Minuten alt und hieß Eric. An dieser Stelle sagt die ganze Mannschaft: „Herzlichen Glückwunsch!“. Die neue Volleyballhoffnung erblickte etwa zur gleichen Zeit das Licht der Welt, als wir gerade unseren glorreichen Sieg gegen Brandenburg einfuhren. Das spielte sich wie folgt ab: Nach einem überragenden ersten Satz, in dem Attila den Brandenburgern einen Block nach dem anderen vor die Füße knallte und Rudi vor lauter Aufgaben schon der Arm schlabberig wurde, verlor das Spiel des USV plötzlich seine gewohnte Stabilität und schien vollkommen zusammenzubrechen. Die nächsten beiden Sätze gingen an Brandenburg. Im vierten Satz gelang es nach der Devise „Stellung halten – bis zum letzten Mann!“ einen Matchball abzuwehren und sich in den Tie-Break zu retten. Der Prinz hatte mehr als Recht, wenn er sagte: „Das war kein Volleyball, das war nur Kampf.“ Der Tie-Break sah bis zum 5:2 für uns sehr gut aus, doch dann kamen die schwarzen Angriffsminuten des Autors, mit 5:8 gegen uns ging es in den Wechsel. Als Marco noch zwei Annahmefehler dazu setzte, war der Satz jedoch bereits entschieden. Das Spiel ging mit 3:2 an Brandenburg – so schien es zumindest, bis Eric das Licht der Welt erblickte.
 
Brandenburg hatte einen Spieler eingesetzt, der nicht auf dem Spielprotokoll stand, was die Ergebnissituation innerhalb kürzester Zeit in ein 3:0 für uns umschlagen ließ. So grausam kann Volleyball sein – Eric ist damit zu unserem Held geworden und keiner zweifelt daran, daß er es war, der das Spiel zu unseren Gunsten gekippt hatte. Eigentlich habe ich keinen Grund, dieses Spiel schön zureden, da Brandenburg den Sieg mehr als verdient hatte, aber wer aus Fehlern nicht lernt (siehe letzte Saison!), der muß wohl bestraft werden. Außerdem wäre das nicht die Seite des USV, wenn hier nicht vernichtende Urteile über unsere Gegner stehen würden. Nachdem nun also Brandenburg in einem Spiel mit vernichtenden 3:0 vom Platz gebügelt wurde, in dem die spielerische Kreativität, das Engagement und die berühmte Kampfkraft des USV in vollen Zügen ausgeschöpft wurden (s.o.), war nun Erkner an der Reihe, mit ähnlich vernichtendem Spiel von uns bestraft zu werden. Im ersten Satz sah Erkner keine Sonne, zu perfekt funktionierte das Präzisionsinstrument USV Potsdam, zu hart und zu vernichtend waren unsere Angriffe und zu genial unsere Spielweise (riecht ihr auch?). Auch im zweiten Satz überzeugte der USV und gönnte sich nur im dritten Satz eine kleine Auszeit, dafür aber dann richtig, denn der Satz ging mit 25:16 an Erkner. Doch im vierten Satz war der USV wieder voll da, überzeugte mit gekonnten Kombinationen und heldenhaften Feldabwehren. Dennoch gelang es Erkner unerklärlicherweise mit 23:20 in Führung zu gehen. Doch dann kam die Zeit des Rudi: er textete die verschüchterte Schiedsrichterin minutenlang dermaßen wegen einer Fehlentscheidung zu, daß man das Gefühl hatte, er würde seine Klasse zusammenscheißen. Aber es zeigte Wirkung und der USV glich zum 23:23 aus, konnte aber nicht verhindern, daß Erkner einen Satzball bekam. Nach einer grandiosen Feldabwehrleistung von Marco, konnte dieser jedoch abgewehrt werden und der Satz und damit das Spiel für uns gewonnen werden. Manchmal macht mir unsere Genialität und unser Spielvermögen richtig Angst, denn zu deutlich war die Ausbeute dieses Spieltages und zu überragend die Mannschaftsleistung des USV – aber wir wissen es besser. „Es gibt viel zu tun, packen wir‘s an“
 
Der Jan möchte folgendes anmerken: Georg gilt als freier Autor. Daher behält es sich die Redaktion vor, die geäußerten Meinungen und Bewertungen nicht zwingend als die eigenen zu betrachten. Speziell ist es nicht primäre Zielstellung dieser Homepage, “vernichtende Urteile über unsere Gegner” zu zelebrieren und damit den Anschein der Notwendigkeit präintelligenter Trieb-Abfuhr zu erwecken - naja, vielleicht ein kleines bißchen.
 
3.Spieltag (Frankfurt, KWH):
 
„Zu großem sind wir noch bestimmt und herrlichen Tagen führe ich euch entgegen!“ Was Kaiser Wilhelm damals schon ahnte, sollte endlich an diesem Spieltag seine Erfüllung finden und den Beginn einer neuen Ära einläuten.
 
Im ersten Spiel gegen Frankfurt schaltete der USV auf Sparflamme und tat die ganze Zeit nicht mehr, als unbedingt nötig, was beim Gegner bestimmt den fehlerhaften Eindruck hinterlassen hat, eine Chance zu haben. Doch jederzeit war der Favorit aus Potsdam Herr des Spiels, kontrollierte es aus einer sicheren Feldabwehr und Annahme heraus und behielt es sich vor, in den entscheidenden Momenten mit der unwiderstehlichen Stärke seines Potentials den Satz für sich zu entscheiden. Obwohl der USV fast das gesamte Spiel mit dem B-Kader bestritt, war ein sicherer Sieg nie in Gefahr, was für die Stärke und Leistungsfähigkeit, sowie die Ausgeglichenheit der Mannschaft spricht.
 
Im Spitzenspiel des Tages trafen nur wenig später Königs Wusterhausen und Potsdam aufeinander und beiden Teams war klar - wer verliert „ ... läuft ... Gefahr, im Kampf ums Dasein zu unterliegen und Knecht der Menschheit zu werden“ (Bülow, 11.12. 1899). Nachdem der erste Satz an Königs Wusterhausen gegangen war, hatte die legendäre Kampfmaschine des USV endlich ihre volle Betriebstemperatur erreicht. So war es fast zwangsläufig, daß der zweite Satz an die Potsdamer ging, die immer besser ins Spiel fanden und einen spielerischen Glanzpunkt nach dem anderen setzten. Die Annahme stand sicher wie der Festungsriegel von Verdun, der Block wehrte, einer perfekt gedrillten makedonischen Phalanx gleich, jeden Angriff des Gegners ab und die Angriffe waren so unwiderstehlich und präzise vernichtend wie eine 8,8 cm Flak. Das Ergebnis wurde fast zur Nebensache, soll an dieser Stelle aber der Vollständigkeit halber erwähnt werden: 3:1 siegte der USV mit einer überragenden Leistung. Auf eine diesbezügliche Frage antwortete Georg bescheiden: „Ich habe Angst vor uns.“ Ich finde, dem gibt es nichts mehr hinzuzufügen.
 
PS: „Was passiert eigentlich, wenn unsere erste absteigt?“ (Attila, 21.10.2000)
 
4. Spieltag (SC Potsdam, Waldstadt):

Das Motto für diesen Spieltag lautete: „Wiedersehen macht Freude“. An diesem Tag sah wirklich jeder jeden wieder: die desertierten SC Spieler in den Diensten von Waldstadt ihre alte Mannschaft, die sich ihren alten Trainer zurückgeholt hatte, wir sahen unsere liebsten Sympathieträger und letztendlich sahen wir uns alle wieder auf dem Feld der Ehre und stellten uns die „Question of Honor“. Der einzige Wermutstropfen: unser aller Liebling Weiland war nicht zugegen (Gott hab ihn selig). Und eigentlich war auch die Rollenverteilung von vornherein klar: der SC hatte die Rolle des willigen Opferschweins zu übernehmen – und, dafür Kompliment, keiner hätte die Rolle besser spielen können. Waldstadt war klarer Favorit und wurde diesem Titel auch gerecht, auch wenn das 3:0 gegen den USV (25:23, 25:22, 26:24) doch denkbar knapper war, als das Ergebnis anmuten läßt. Der USV sondierte zu
Beginn der Saison erst einmal die Lage und begab sich geschickt in Lauerstellung, um die ungeliebte Favoritenrolle nicht zugeschoben zu bekommen – das tat er mit einer Perfektion, die ihres gleichen sucht.

5. Spieltag (Erkner, Brandenburg):
 
Es gibt solche Tage, an denen Anspruch und Realität weit auseinander klaffen und irgendwie gehörte dieser auch dazu. Es ist immer schwer, Niederlagen als evidente Disproportionen zu legitimieren und zu akzeptieren, aber es war kaum zu übersehen, daß die Mannschaft von einer divergierenden Regression im Faktum der sukzessiven Kontinuitätsdiskrepanz zu einer Mutilation im Spielaufbau gelangte, die eine irreparable Myodynie im Bereich der kortikalen Stimulanz hinterließ.
 
Die Niederlage gegen Brandenburg stürzte uns in ein tiefes Trauma und eine dauerhafte Identitätskrise, die uns über ernsthafte Konsequenzen im Bereich der sanitären Ausstattung unserer Transporteinrichtungen nachdenken ließ. Da es aber wider erwartend gelang, unsere vegetativen Körperfunktionen im Bereich der normativen Funktionalität zu halten, wurde eine weitere Erörterung dieses Themas als nicht mehr evident erachtet. Obwohl mit dem Sieg gegen Erkner, ein sicheres und nie gefährdetes 3:2, der mal wieder einer grandiosen Ruhmestat der USV-Helden gleichkam, war eine gewisse Demotivation nicht zu verleugnen.
 
Aber wir wären ja nicht der USV, wenn wir uns nicht eine entsprechende Antwort in der Hinterhand behalten würden, die da lautet: „Widerstand ist zwecklos, sie werden assimiliert!“

6. Spieltag (Cottbus, Schöneiche):
 
Das Spiel gegen Cottbus entwickelte sich zu einer Kraftprobe. Durch den Ausfall von unserem Quoten-Wessi, waren wir von nun an gezwungen, jeder Wechselmöglichkeit beraubt, das letzte aus uns herauszuholen. Ich habe noch nie eine solch heldenhafte Feldabwehr gesehen, noch nie so eine konsequente Angriffssicherung – jeder riß sich den Arsch auf und kämpfte um jeden Ball. Es war das Paradebeispiel für die „Kampfmaschine USV“. Als es nach vier Sätzen ausgeglichen stand, mußte der fünfte das Spiel entscheiden. Doch im Tie Break schienen uns die Kräfte zu verlassen und alles sah nach einer deutlichen Niederlage aus, bis Alex beim Stand von 0:5 eine Auszeit nahm.
 
„Als wir versammelt waren, trat Alexander in unsere Mitte, sein Gesicht von tiefstem Kummer erfüllt, aber mit hocherhobenem Haupt. Eine wahrhaft schöne germanische Heldengestalt! Ich mußte an Siegfried denken mit der tödlichen Wunde im Rücken von Hagens Speer ...“ (anonymer Spieler) Mit ruhigen und vertrauenerweckenden Worten machte er uns klar, wie beschissen wir spielten und daß wir gefälligst unsere faulen Ärsche bewegen sollten. Das schlimme daran war: er hatte auch noch Recht! Also rauften wir uns zusammen und gingen als Führende in den Seitenwechsel. Als Cottbus die Nerven verlor, und nur Dank Toms beherztem Eingreifen der 2.Schiedsrichter vor schlimmeren körperlichen Konsequenzen bewahrt wurde, indem sich Tom wie ein Panzer schützend vor ihn stellte, war das Spiel gelaufen. Mit 15:13 gewannen die Potsdamer völlig verdient diesen Satz und damit
das Spiel.
 
Nicht weniger interessant gestaltete sich das zweite Spiel gegen Schöneiche, die nach zwei Sätzen sicher führten, bevor sich der USV erbarmte, die Partie doch etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Mit grandiosen Spielzügen und selten gesehenen Einlagen der akrobatischen Leistungsfähigkeit unserer Außenangreifer, die sich mit einer Bravour auf dem Parkett der Feldverteidigung bewegten, gelang es, den dritten Satz zu unseren Gunsten zu entscheiden. Aber nach einer Führung im vierten Satz gelang es der völlig ausgepumpten Mannschaft nicht mehr, das hohe Niveau zu halten und mußte dem intensiven und kraftaufreibenden Spiel den erwarteten Tribut zollen und ging mit wehenden Fahnen, vergleichbar mit unseren Helden vor den Falklandinseln, ruhmvoll und strahlend vor Glanz unter. Soviel Heldentum gab es selten auf dieser Welt und tief im Innern war ich stolz, dieser Mannschaft und diesem Heroismus zugehörig zu sein. Gott schütze dieses Team!
 
7. Spieltag (Schöneiche, Cottbus):
 
Nachdem Cottbus in der vergangenen Saison erlebt hatte, wie grausam sich Geschichte wiederholen kann – ich erinnere nur an die Vorjahresschmach von Potsdam-Waterloo – waren sie diesmal bestrebt, dieses Desaster nicht noch einmal über sich kommen zu lassen. Dementsprechend stark trumpfen sie im Spiel gegen den USV auf, dem schier gar nichts gelingen wollte. Auch wenn die Mannschaft verzweifelt kämpfte und versuchte, das letzte aus sich herauszuholen, so war doch gegen die stark aufspielenden Cottbusser an diesem Tage kein Stich zu holen. Mit einem sicheren 0:3 gingen wir vom Feld, beseelt in dem Gedanken, im nächsten Treffen dieses Ergebnis Lügen zu Strafen.

Zuvor jedoch trat der USV gegen Schöneiche an, die ihre Aufstiegsambitionen noch nicht begraben hatten, und noch immer auf Tuchfühlung zum Tabellenführer lagen. Doch auch Schöneiche mußte erleben, wie gnadenlos und vernichtend der USV über unachtsame Gegner herfallen kann und stand von Anfang an auf verlorenem Posten. Vergeblich versuchten sie, ihrem Schicksal zu entkommen, doch auch für Schöneiche wurde Potsdam zu einem Waterloo der Vereinsgeschichte, einem Schlag, von dem sie sich so schnell nicht erholen werden. Die ersten beiden Sätze sahen sie überhaupt keine Sonne, immer war der USV einen Schritt schneller, antizipierte grandios und zerfetzte mit vernichtenden Angriffen die Abwehr und die Moral seines Gegners. Erst im dritten Satz leistete Schöneiche erbitterten Widerstand, doch frei nach dem Motte: „ich wollt es wäre Nacht, oder die Preußen kämen“, mobilisierte der USV noch einmal alle Reserven, um dem rebellischen Gegner den Gnadenstoß zu geben und ihm ein vernichtendes 3:0 zu bescheren.
 
8. Spieltag (SC Potsdam, Waldstadt)
 
Nach den zwei Trainingstagen, den einzigen vor diesem Spiel, hatten wir alle das Gefühl, selbst mit einer Kreisklasse Mannschaft weit überfordert zu sein. Und so wie der Punktspieltag begann, fühlten wir uns in unseren Vorahnungen mehr als bestätigt. Einzig der Gedanke an eine Niederlage gegen den SC Potsdam, der in uns den abscheulichsten Ekel und den Wunsch hervorrief, uns übergeben zu wollen, ließ uns überhaupt eine annähernd Volleyball ähnliche Spiel“kultur“ annehmen. Andernfalls hätten wir wohl den gemeinschaftlichen Freitod unter der Dusche vorgezogen. So aber rauften wir uns mit unserem Kreisklasseniveau zusammen, und siegten sicher mit 3:1 gegen den SC, der ohnehin gegen unterklassige Mannschaften überfordert ist (ich erinnere nur an die Pokalpleite des vergangenen Jahres). Sollte im Laufe dieser Zeilen der Eindruck entstanden sein, daß wir eine, na formulieren wir es vorsichtig, „tiefe Abneigung“ gegen den SC Potsdam hegen, so ist das vollkommen richtig.
 
Im nächsten Spiel gegen Waldstadt hatten wir nichts zu verlieren, denn schließlich waren wir nicht in der Favoritenrolle (vgl. Spielbericht des 4.Spieltags), und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Waldstadt gab sich zwar alle Mühe, aber der USV knüpfte fast nahtlos an seine Ergebnisse des Vorjahres an. Sicherer Spielaufbau, solide Angriffsleistung, grandiose Feldabwehr gepaart mit überlegener Antizipation und letztendlich der unbändige Wille zu siegen brachten den USV Punkt für Punkt näher an den Sieg. In einer Auszeit hieß es: „Aber auch dadurch zeichnen wir uns aus, daß wir kühnen Mut und kluge Überlegung, bei allem, was wir anfassen, in uns vereinen ...“ (anonymer Mitspieler), dem sich einfach nichts mehr hinzufügen ließ. Mit einem sicheren 3:1 endete schließlich das Spiel für den USV Potsdam, der so langsam immer mehr in eine beständige und hochklassige Form kommt, vor der sich jeder Gegner in Acht nehmen muß.
 
Wieder einmal fühlt sich der Jan genötigt, das eine oder andere Wort zu den Spielberichten fallen zu lassen. Vermutlich ist es einem gewissen Hang des Spielberichts-Autors zur deutschen Geschichte (speziell zur Bismarckschen) zuzuschreiben, daß er, wenn er “wir” schreibt, so doch nur “ich” meint. Ich möchte an dieser Stelle die Leserschaft beruhigen: wenn er darüber hinaus beginnen sollte “ich” groß zu schreiben, wird die Mannschaft des USV II erzieherische Maßnahmen in Betracht ziehen.

9. Spieltag (KWH, Frankfurt)
 
So langsam war es an der Zeit, die Verhältnisse im Land Brandenburg zurecht zu rücken und ein für alle Male klarzustellen, wer die beste zweite Mannschaft ist. Obwohl der erste Satz ziemlich deutlich an Potsdam ging, war klar, daß sich KWH nicht abschlachten lassen würde, so daß der zweite Satz mehr als eng wurde und erst nach einer Rekordspielzeit mit 36:34 für Potsdam endete, die in dieser Situation die besseren Nerven hatten und ganz locker ihr Spiel spielten und sich selbst durch gegnerische Satzbälle nicht beirren ließen. Danach beschlossen die Potsdamer, das Spiel etwas offener zu gestalten und ihre ganze sarkastische Art am Gegner auszulassen. Ohne das es zu auffällig war, aber hart an der Grenze, schenkten sie die beiden folgenden Sätze ab, wiegten den ahnungslosen Gegner sogar noch im Tiebreak in völliger Sicherheit, immerhin hieß es 7:2 für Königs Wusterhausen, ehe sie in einem unwiderstehlichen Schlußspurt das Spielniveau dermaßen erhöhten, daß dem Gegner keine andere Wahl blieb, als staunend den Potsdamer Kombinationen zuzusehen. Nach kurzer Zeit hieß es statt 2:7 nun auf einmal 12:8 aus Potsdamer Sicht, die ihre ganze seelische Grausamkeit am Gegner praktizierten und mal wieder unter Beweis stellten, daß selbst die Stahlseile der Golden Gate Bridge nichts im Vergleich zu ihren Nerven sind. Völlig am Boden zerstört, dem Sieg bereits zum Greifen nahe, fiel KWH in ein tiefes Loch, das die Potsdamer fröhlich von oben zuschütteten. So grausam kann Sport sein!
 
Nach dieser Leistung schien Frankfurt eher eine Pflichtaufgabe zu sein, dennoch tat man sich erstaunlich schwer, ehe man im dritten Satz endlich anfing, Volleyball zu spielen. Mit einer 2:0 Führung im Rücken führte der USV seinen Gegner gnadenlos vor und nahm bei eigenem Matchball noch eine Auszeit, die Tom damit begründete: „Ich wollte Frankfurt einmal die Chance geben, länger als eine Stunde gegen uns zu spielen.“. Da Frankfurt Toms Friedensangebot nicht nutzte und den Aufschlag ins Aus schlug, war der 3:0 Erfolg perfekt, in weniger als einer Stunde sei an dieser Stelle angemerkt.

Die restlichen drei Berichte dieser Saison wurden zerstört, als das Archiv, in dem sie bis dahin lagerten, durch unsachgemäßen Umgang bei einer rituellen Verbrennung ein Opfer der Flammen wurde. Nur dem beherzten Eingreifen des Archivars war es zu verdanken, daß der Rest dieser kostbaren Überlieferungen gerettet werden konnten.